Der DUDEN geht von Mannheim nach Berlin – und Mannheim freut es ganz und gar nicht

Drei Jahre nach dem Kauf durch den Berliner Verlagskonzern Cornelsen gibt es beim Mannheimer Traditionsverlag Bibliographisches Institut (BI) eine große Umstrukturierung.  Das  Geschäft mit gedruckten Produkten, darunter auch die Ausgabe des traditionellen Duden, wird nach Berlin verlagert werden. Ein Angriff auf Mannheim. Ein Angriff auf eine deutsche Nachkriegstradition.

INFO 1: ### Wirtschaft & Arbeit 27.07.2012

Duden-Abzug: Stadt nimmt Gespräche auf

Die Stadt Mannheim bedauert die Planungen des Bibliographischen Instituts, große Teile der in Mannheim angesiedelten Geschäftsfelder zu verkaufen beziehungsweise in Berlin zusammen zu legen. Besonders bedauerlich ist die Verlagerung der Printausgabe des Duden. Gemeinsam mit dem Institut für Deutsche Sprache, dem Goethe-Institut und dem Fachbereich Germanistik und Medienwissenschaften an der Universität Mannheim besteht hier ein einmaliges Kompetenzcluster.

„Vor dem Hintergrund Mannheims als Hauptstadt der Deutschen Sprache ist mir die Verlagerung des Duden nach Berlin nicht verständlich“ so Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz auf die Ankündigung des Bibliographischen Instituts.

Mit Blick auf einen durch die Neustrukturierungen des Traditionsverlags bedingten möglichen Abbau von Arbeitsplätzen erklärt Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch: „Wir wollen diese Arbeitsplätze in Mannheim halten und bieten unsere Mithilfe zur Sicherung des Standortes an.“

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch werden den Kontakt zur Unternehmensleitung und dem Betriebsrat aufnehmen, mit dem Ziel Lösungen für die betroffenen Beschäftigen und für den Standort Mannheim zu erörtern.

An der Verleihung des Duden-Preises gemeinsam mit der Stadt Mannheim will das Bibliographische Institut festhalten.

Der geplante Strategiewechsel des Bibliographischen Instituts war am Dienstag bekannt geworden. Danach hat der Verlag Bibliographisches Institut zukünftig zwei Standorte: In Berlin sollen die Buchaktivitäten zusammengeführt werden; in Mannheim soll die sprachtechnologische Einheit von Duden verbleiben. ### Quelle: http://www.mannheim.de/nachrichten/duden-abzug-stadt-nimmt-gespraeche

INFO 2: „Seit 1946 ist der Cornelsen Verlag ein fester Bestandteil der Bildungslandschaft. Als führender Verlag für alle Medien rund um Schule und Unterricht übernehmen wir Verantwortung für das Thema Bildung. Mit unseren Produkten möchten wir einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht leisten.

Schulbuch, Fachbuch, Lernhilfe, Software, E-Learning-Lösung, Weiterbildungsseminar – unter den 24.000 Materialien findet sich für jeden Wissensbedarf das passende Angebot.

Cornelsen zählt gemeinsam mit den Marken Cornelsen Experimenta, Duden Schulbuch, Oldenbourg/bsv, Brigg Pädagogik, Patmos, Fraus, Sauerländer, Verlag an der Ruhr, Veritas sowie Volk und Wissen zu den Cornelsen Schulverlagen. Dort sind führende Verlage für Bildungsmedien in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien gebündelt.

Der Cornelsen Verlag ist ein Unternehmen der Franz Cornelsen Bildungsgruppe, die mit über 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 450 Millionen Euro Umsatz zu den größten Verlagsgruppen Deutschlands und den wichtigsten Bildungsanbietern gehört.“ Zitiert nach: http://www.cornelsen.de/service/1.c.2572315.de, abgerufen am 27.7.2012

INFO 3: „Der Verlag Bibliographisches Institut GmbH gehört zur international tätigen Unternehmensgruppe Cornelsen und ist mit den Marken Duden, Cornelsen Scriptor, Meyers, Sauerländer, Sauerländer Audio, Artemis & Winkler sowie Albatros ein renommiertes Medienhaus im Bereich Publikumsverlage. Die Marken Harenberg, Heye und Weingarten ergänzen das Verlagsangebot um ein erstklassiges Kalenderprogramm.
Neben Standardwerken zur deutschen Sprache, innovativen sprachtechnologischen Produkten, erstklassigen Lernhilfen und hochwertigen Atlanten zeichnen ein umfangreiches Kinderbuchprogramm, vielfältige Hörbücher und ein fundiertes Ratgeber- und Sachbuchprogramm unseren Verlag aus.“ Zitiert nach: http://www.bi-media.de/unternehmen/, abgerufen am 277.2012

PRESSEKONTAKT DUDEN: http://www.duden.de/pressekontakt

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PEN unterstützt Resolution bezüglich der krisenhaften Verhältnisse im Buchhandel

Quelle: www.pen-deutschland.de

17.7.12

Zukunftsallianz Buchkultur: Gemeinsame Resolution von Verlegern, Buchhändlern, Autoren

PEN-Zentrum Deutschland, Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Bayern und Kurt Wolff Stiftung (zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene) unterstützen folgende Resolution:

»Die Verhältnisse im Buchhandel können uns nicht gleichgültig sein«*

* In Anlehnung an den historischen „Aufruf der Autoren“ (Frankfurter Buchmesse 1968) – vierundvierzig Jahre später erneut aktuell

Der Buchhandel in Deutschland befindet sich in einer ernsten Krise; das einst vorbildlich engmaschig geknüpfte Netz „geistiger Tankstellen der Nation“ (so Altbundeskanzler Helmut Schmidt) ist akut gefährdet.

Kapitalkräftige Unternehmen – der Parfümerie-Konzern Douglas und der kirchliche Weltbild-Konzern, die inzwischen mehr als ein Drittel des stationären Sortimentsbuchhandels beherrschen – haben sich ehemalige Traditionsbuchhandlungen (Thalia, Hugendubel) einverleibt und die nationale Buchhandelslandschaft nachhaltig verändert. Sie entzogen ihren Buchhändlern die Gestaltung des Sortiments, degradierten die Filial-Angestellten auf das Niveau von Hilfspersonal und etablierten so einen „Buchhandel ohne Buchhändler“.

Die beiden Branchenriesen expandierten in einem erbitterten Wettbewerb um die Marktführerschaft, investierten in überdimensionierte Verkaufsflächen, be- und verdrängten den lokal/regional verankerten Buchhandel. Aufgrund ihrer Marktmacht sind sie mittlerweile in der Lage, Handelskonditionen zu diktieren und Einfluss auf die Programmgestaltung der Verlage zu nehmen.

Verkäuflichkeit besiegt die einstige Vielfalt, Renditekriterien bedrohen den kulturellen Auftrag. Ökonomische Mechanismen, wie sie den Discounthandel kennzeichnen, bestimmen nun auch den Handel mit Büchern; symptomatisch hierfür sind die „Nonbook-Sortimentserweiterungen“ der vergangenen Jahre durch buchfremde Massenware aller Art.

Auf eine kurze Boomphase folgte alsbald die radikale Kehrtwende: Aktuell ziehen sich die Großfilialisten aus dem Ladengeschäft zurück und verlagern – orientiert am Erfolgsmodell des Online-Marktführers Amazon – ihren Umsatzschwerpunkt in den Internethandel. Somit stehen jetzt radikaler Rückbau, Schließung großer Ladenflächen in den Städten und massive Dezimierung des Personals auf der Agenda.

Anlässlich des Protests der betroffenen Buchhändler – unterstützt von ihrer Interessenvertretung, der Gewerkschaft ver.di – skizziert Norbert Niemann (Bachmann-Preisträger und stellvertretender Vorsitzender VS Bayern) in seiner Rede „Wir Schriftsteller brauchen Euch!“ die dramatische Situation. Ihm antwortet Bernhard Rieger (Gründer der Münchner Initiative ProBuch) mit einem offenen Brief aus Sicht der Buchhändler.

Sie entwerfen ein positives Gegenbild, eine Zukunftsallianz von Autoren, Verlegern und Buchhändlern: „Pro.Buch.Kultur.“

Wir protestieren gegen ein rein renditeorientiertes Handeln mit Büchern,
das soziale und kulturelle Verantwortung über Bord wirft.

Wir erwarten die politische Stärkung derjenigen Strukturen,
die eine ungehinderte Verbreitung von Literatur ermöglichen und gewährleisten.

Wir fordern den Erhalt des gefährdeten, weltweit einzigartigen deutschen Buchhandelsnetzes –
sowie dessen Fundaments: des Berufs des Buchhändlers.

Wir unterstützen die Zukunftsallianz „Pro.Buch.Kultur.“