Marcel Reich-Ranicki verstarb am Mittwoch (18.9.2013) in Frankfurt

Mitteilung der F.A.Z., der Zeitung, für die er schrieb, wo er auch angestellt war. Er leitete bis zu seinem Ruhestand 1988 die Redaktion für Literatur und literarisches Leben.

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Gerhard Steidl beschreibt Erich Loest am 13.9.2013 im Deutschlandradio Kultur

„Also ich hab ihn in Erinnerung als einen Mann mit einem speziellen sächsischen Humor, sehr sarkastisch, und vor allen Dingen, er war Essen und Trinken zugetan und bei gemeinsamen Abendessen hat er die tollsten Geschichten erzählt, und wenn ich bei ihm zu Besuch war, war es immer wunderbar. Ich bin meistens am Nachmittag, 16 Uhr, bei ihm eingetroffen, und wir haben etwas gearbeitet, und dann sagte er: Hast du Lust auf ein Bier? Also haben wir ein Bier getrunken. Um 18 Uhr guckte er auf die Uhr und sagte: Jetzt ist eigentlich Zeit für einen guten Wein, hast du Lust? Und er hat eine wunderbare Flasche Rotwein aufgezogen. 20 Uhr, wenn wir mit der Arbeit fertig waren, sagte er, lehnte er sich zurück in seinem Sessel und sagte: Jetzt brauche ich einen Schnaps. Und das beschreibt eigentlich seine Lebensfreude.“ http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/2249834/

Der große Erich Loest ist nicht mehr

Sein Verlag, Steidl, schreibt:

„Wir trauern um unseren Autor
Erich Loest, der am Abend des
12. September im Alter von
87 Jahren aus dem Leben schied.

Er hinterlässt eine große Lücke
und ein reiches Werk, an dem
er bis in seine letzten Tage
gearbeitet hat.“

Seine Kurzbio, bei Steidl: „Erich Loest, geboren 1926 in Mittweida, war ein bedeutender Chronist der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Zu seinen Büchern gehören die Romane Zwiebelmuster, Froschkonzert, Prozeßkosten, Löwenstadt, der Bestseller Nikolaikirche sowie Kriminalromane und Erzählbände. Seit 1990 lebte Loest wieder in Leipzig. Erich Loest starb am 12. September 2013. Sein letztes Buch, die Erzählung Lieber hundertmal irren erschien erst kurz zuvor, am 4. September.“

Literaturpreise

1981: Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster
1984: Marburger Literaturpreis
1992: Karl-Hermann-Flach-Preis
1998: Mainzer Stadtschreiber

Ehrungen

1992: Ehrenbürger von Mittweida
1996: Ehrenbürger von Leipzig
1997: Kommandeurskreuz des Verdienstordens der Republik Polen
1999: Großes Bundesverdienstkreuz
2001: Ehrendoktor der Technischen Universität Chemnitz
2009: Deutscher Nationalpreis
2009: Ehrendoktor der Philosophie der Justus-Liebig-Universität Gießen[10]
2010: Kulturgroschen des Deutschen Kulturrats

„Wohn-Haft“ (von Manfred Haferburg) ist der DDR-Roman, welcher den Alltag und die Rebellion des Einzelnen so plastisch beschreibt

Manfred Haferburg schreibt intensiv und ehrlich. Sein Roman spielt anfangs in Greifswald und der gesamten Region … und im KKW Lubmin bei Greifswald (VE Kombinat Kernkraftwerke „Bruno Leuschner“ Greifswald). Da sind Arbeiter und Facharbeiter. Menschen. Sie brauchen eine Wohnung, sie zimmern am Boot. Kleine Fluchten, der Alltag. Viele Probleme, vieles nervt. Aber die Stasi will alles und jeden im Griff haben. Sie sucht sich gezielt Leute, die sie für ihre Zwecke instrumentalisieren und benutzen will. Einmal im Griff der Stasi bedeutet: Du kommst da nicht mehr raus. A) Entweder du machst mit, und dann bist du als eigenständige Person quasi erloschen B) Oder du rebellierst, und dann endest du vielleicht in der Flucht oder gar in Hohenschönhausen. Auch unschuldige und arglose, also auch „hundsnormale“, Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, geraten in Haft, werden zersetzt und büßen bisweilen sogar mit dem Tod.

Die Geschichte, die Manfred Haferburg mit „Wohn-Haft“ aufgeschrieben hat, ist beängstigend real. Man leidet mit den Hauptakteuren, besonders der zentralen Figur „Manni“. Leser und Leserinnen, die bislang nicht viel von der DDR wussten, erkennen nun schlagartig, wie der Mechanismus dieses Unrechtstaates funktionierte. Und alle DDR-Kenner und Ex-DDR-Bürger werden alles genauso wiedererleben, wie sie es immer schon erlebten. Manfred Haferburg hat es endlich einmal genau richtig und so wahr aufgeschrieben. Ein Panoramabild des DDR-Alltages und seiner vielen Unterdrückungsoptionen.

Kein Wunder, dass Wolf Biermann sehr gern ein überaus sprachmächtiges Vorwort zu diesem lesenswerten Buch hinzugab.

Autor: Manfred Haferburg, Titel: Wohn-Haft, Roman, Vorwort: Wolf Biermann, Am 5. September 2013 erschienen. Hardcover Leinen, gebunden, mit zusätzlichem Papierschutzumschlag. Verlag: KUUUK mit 3 U, Sprache: Deutsch, ISBN-10: 39398324596, ISBN-13: 978-3939832-59-1, Preis: EURO 29,00, ab 1.7.2014: 32,00 Euro [D], 32,90 Euro [A], Seiten: 524

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