Eichendorff-Literaturpreis 2019 für Christa Ludwig

Die Schriftstellerin Christa Ludwig wird, so die dpa-Meldung am 7.2.2019, mit dem Eichendorff-Literaturpreis 2019 ausgezeichnet, mit 5000 Euro ist er dotiert. «Ihre Werke sind sensibel und eindringlich, sie sind bildend und voll innerer Anteilnahme an Mensch und Natur», teilte der «Wangener Kreis» dazu mit.

Zu Ludwigs Werken zählt der Roman «Ein Bündel Wegerich» über die deutsch-jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler. Ludwig schaffe es, so erklärte die Jury, historische Umstände ihrer Figuren «in poetische Sprache zu setzen».

Die Autorin wurde 1949 in Wolfhagen bei Kassel geboren, studierte Germanistik, Anglistik und Sprecherziehung. Seit 1989 ist sie freie Schriftstellerin. Sie schreibt auch Kinder- und Jugendbücher.

  • Ein Lied für Daphnes Fohlen. Anrich, Kevelaer 1994, ISBN 3-89106-184-6.
  • Blitz ohne Donner. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2003, ISBN 3-7725-2245-9.
  • Carlos in der Nacht. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2005, ISBN 3-7725-1545-2.
  • Die Siebte Sage. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7725-2177-5.
  • Christa Ludwig: Persönlich. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7725-2267-3.
  • Hufspuren. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008–2010 (Reihe).
  • Himmelshuf und Mähnenmeer. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7725-2367-0.
  • Puzzle-Ponys. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7725-2478-3.
  • Bellcanto. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-7725-2797-5.
  • Ein Bündel Wegerich, Verlag Oktaven, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-7725-3008-1. (Roman über die späten Jahre der Lyrikerin Else Lasker-Schüler in Jerusalem)

1956 wurde der nach dem Lyriker Joseph von Eichendorff benannte Preis für zeitgenössische Literatur zum ersten Mal verliehen. Geehrt wurden seither unter anderem Ottfried Preußler, Peter Härtling, Ilse Tielsch und Hans-Ulrich Treichel. Dieses Jahr (2019) ist die Preisverleihung am 22. September in Wangen im Allgäu.

Das Buch „Lorén“ von Charlotte Uceda Camacho ist sehr ehrlich und sehr intensiv

Eine Mutter aus Siegen hat 2013 ihre Tochter verloren. Das geschah durch ein gemeines und böses Verbrechen, zudem im eigenen Wohnhaus der Familie. Der Ex-Freund der Tochter hat Lorén, so der Name der jungen Frau, nachts umgebracht. Das unsägliche Leid, was über die Familie gekommen ist, hat Charlotte Uceda Camacho, die Mutter, in einem Buch aufgeschrieben, ganz genau, beginnend mit der Tat, dazu Rückblicke. Und alles danach.

Das Buch heißt „Lorén“ … wie die Tochter. Lorén schreibt man Akzent, ein seltener Name, einzigartig.

Wir erleben Wut und Zorn, Trauer, Schock, Erstarrung. Liebe. Verzweiflung. Es sind so viele Gefühle,  die sich in dem Buch offenbaren. Natürlich auch gegen den Täter. Aber auch Zorn auf die Justiz in Siegen liest man in diesem Buch.

Alles können die Leserinnen und Leser ganz direkt mitempfinden: Denn es wird Tag für Tag das Geschehen aufgeschrieben, ganz genau, auch die Beerdigung, auch der Prozess vor dem Landgericht, auch die Auswahl des Grabsteins, auch das Ausräumen des Zimmers, auch die wütenden und detailgenauen Briefe an den Staatsanwalt oder die Anwältin des Täters et al.  (Denn es geht bei der Tat auch um die Justiz-Frage Anklage auf Totschlag oder Anklage auf Mord, Verurteilung wegen Totschlags oder Verurteilung wegen Mordes.)

Schließlich sind da die Kondolenzbriefe so vieler Menschen, auch der direkte mündliche Zuspruch, die vielen schönen Erinnerungen an Lorén, welche sehr beliebt war, wirklich sehr beliebt. Dazu Erinnerungen der Mutter an die Kindheit von Lorén, an die Jugend von Lorén. Wir finden auch viele schöne Fotos von Lorén in vielen Altersstufen in dem Buch.

Insofern ist das Buch eine große Anklage an das Verbrechen, an die Verbrecher, an die Sinnlosigkeit solcher Taten, zugleich finden sich auch kritische Gedanken über die deutsche Rechtsprechung, die Justiz, das Verhalten eines Gerichtes und anderes mehr … nicht von einer Juristin, sondern von einer Mutter, die ihre Tochter durch ein böses Verbrechen verloren hat.

Das Buch hat sehr viele Facetten, man wird lange darüber nachdenken, Tränen werden hochkommen, werden fließen, ja, bei den Lesenden, und man wird vieles anders sehen als zuvor. Es ist ein Buch, welches alle Opferfamilien von Verbrechen so oder so nachvollziehen können. Es ist aber auch ein Buch, woraus Menschen von der Polizei, der Justiz, Anwälte, Richter, Anwältinnen, Richterinnen sehr vieles lernen können.Denn sie schauen in die Gefühlswelt der von der Tat direkt betroffenen. Mutter, Vater, Schwester.

Und es ist ein Buch über den wundervollen Menschen Lorén. Ein trauriges Buch, ein wütendes Buch, aber zugleich auch ein Buch voller Liebe.

CHARLOTTE UCEDA CAMACHO

Lorén

Bericht einer Mutter über das Leben, die Liebe und die sinnlose Ermordung ihrer Tochter

ISBN 978-3-96290-013-7