Schriftstellerin Brigitte Kronauer im Alter von 78 Jahren am 22. Juli in Hamburg verstorben

QUELLE: Verlag KLETT-COTTA

>>Wir bedauern, mitteilen zu müssen, dass unsere geschätzte Autorin Brigitte Kronauer im Alter von 78 Jahren nach langer und schwerer Krankheit am Vormittag des 22. Juli in Hamburg verstorben ist.

Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebte in Hamburg. Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Fontane- Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich- Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg, dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Jean-Paul-Preis und dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet. 2005 wurde ihr von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Büchner-Preis verliehen.

Kronauers Romandebüt »Frau Mühlenbeck im Gehäus« erschien im Jahre 1980 bei Klett-Cotta. Seitdem war sie dem Haus treu verbunden.

Zahlreiche Romane und Essaysammlungen sind bei Klett-Cotta erschienen. Zu ihren bedeutendsten Werken gehörten »Teufelsbrück« (2000) , »Verlangen nach Musik und Gebirge« (2004), »Errötende Mörder« (2007), »Gewäsch und Gewimmel« (2013) und »Der Scheik von Aachen« (2016).

Am 9. August erscheinen Brigitte Kronauers Romangeschichten »Das Schöne, Schäbige, Schwankende«.

Der Verlag Klett-Cotta verliert mit Brigitte Kronauer eine hoch geschätzte Autorin, die den Verlag nachhaltig geprägt hat. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.<<

Es folgen hier nur die Romane und Erzählungen aus ihrem Werk:

Romane

  • Frau Mühlenbeck im Gehäus. Klett-Cotta, Stuttgart 1980, ISBN 3-12-904501-5; dtv, München 1984, ISBN 3-423-10356-6.
  • Rita Münster. Klett-Cotta, Stuttgart 1983, ISBN 3-608-95218-7; dtv, München 1991, ISBN 3-423-11430-4.
  • Berittener Bogenschütze. Klett-Cotta, Stuttgart 1986, ISBN 3-608-95420-1; dtv, München 2000, ISBN 3-423-11291-3.
  • Die Frau in den Kissen. Klett-Cotta, Stuttgart 1990; dtv, München 1996, ISBN 3-423-12206-4.
  • Das Taschentuch. Klett-Cotta, Stuttgart 1994, ISBN 3-608-93220-8; dtv, München 2001, ISBN 3-423-12888-7.
  • Teufelsbrück. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-93070-1; dtv, München 2003, ISBN 3-423-13037-7.
  • Verlangen nach Musik und Gebirge. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-93571-1; dtv, München 2006, ISBN 3-423-13511-5.
  • Errötende Mörder. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-93730-5; dtv, München 2010, ISBN 978-3-423-13898-7.
  • Zwei schwarze Jäger. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-608-93885-2.
  • Gewäsch und Gewimmel. Klett-Cotta, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-608-98006-6.
  • Der Scheik von Aachen. Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-98314-2.

Erzählungen

  • Die gemusterte Nacht. Erzählungen. Klett-Cotta, Stuttgart 1981, ISBN 3-12-904551-1; dtv, München 1989, ISBN 3-423-11037-6.
  • Enten und Knäckebrot. Sieben Erzählungen. Klett-Cotta, Stuttgart 1988.
  • Schnurrer. Geschichten. Klett-Cotta, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-95852-5; dtv, München 2002, ISBN 3-423-12976-X.
  • Hin- und herbrausende Züge. Erzählungen, Klett-Cotta, Stuttgart 1993, ISBN 3-608-93286-0.
  • Die Wiese. Erzählungen. Reclam, Stuttgart 1993, ISBN 3-15-008921-2.
  • Die Einöde und ihr Prophet. Über Menschen und Bilder. Erzählungen und Essays. Klett-Cotta, Stuttgart 1996, ISBN 3-608-93406-5.
  • Die Tricks der Diva. Geschichten. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-018334-0 (darin: Dri Chinisin).
  • Frau Melanie, Frau Martha und Frau Gertrud. Drei Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-22397-6.
  • Die Kleider der Frauen. Geschichten. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018542-1.
  • Die Tricks der Diva. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-020212-8.
  • Im Gebirg. Mit Original-Flachdruckgrafiken von Gosia Machon. Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-940111-81-4.

HOTLIST 2019 /// die letzten 30 Titel = SHORTLIST

1. Alibri Verlag (Aschaffenburg)

Franz Josef Wetz: Tot ohne Gott

Erzählendes Sachbuch

ISBN 978-3-86569-249-8

 

2. Berenberg Verlag (Berlin)

Carla Maliandi: Das deutsche Zimmer

Roman

ISBN 978-3-946334-59-0

 

3. bilgerverlag (Zürich)

Patrick Deville: Taba-Taba

Roman

ISBN 978-3-03762-077-9

 

4. Carl Ueberreuter Verlag (Wien)

Marietta Deix (Hg.):

Forever Deix – Der Jubelband

Das besondere Buch

ISBN 978-3-8000-7717-5

 

5. cass verlag (Bad Berka)

Natsu Miyashita: Der Spielplatz der Götter

Erzählendes Sachbuch

ISBN 978-3-944751-21-4

 

6. CulturBooks (Hamburg)

Helen Oyeyemi: Was du nicht hast,

das brauchst du nicht

Erzählungen

ISBN 978-3-95988-103-6

 

7. Das Kulturelle Gedächtnis (Berlin)

Tobias Roth, Moritz Rauchhaus: Wohl bekam’s

Sammlung

ISBN 978-3-946990-23-9

 

8. Drachenhaus Verlag (Esslingen)

Jing Bartz, Shi Zhanjun (Hg.): Stadtleben

Kurzgeschichten

ISBN 978-3-943314-53-3

 

9. Droschl (Graz)

Eva Maria Leuenberger: Dekarnation

Gedichte

ISBN 978-3-99059-036-2

 

10. edition 8 (Zürich)

Pedro Badrán:

Der Mann mit der magischen Kamera

Roman

ISBN 978-3-85990-359-3

 

11. edition karo (Berlin)

Gundula Schiffer:

Tirza Atar – Wenn alles berührt

Erzählende Biografie

ISBN 978-3-945961-09-4

 

12. Edition Nautilus (Hamburg)

Jakuta Alikavazovic:

Das Fortschreiten der Nacht

Roman

ISBN 978-3-96054-098-4

 

13. Edition Rugerup (Berlin)

Ruth Lillegraven: Sichel

Langgedicht

ISBN 978-3-942955-75-1

 

14. Elif Verlag (Nettetal)

Sigurður Pálsson:

Gedichte erinnern eine Stimme

Gedichte

ISBN 978-3-946989-16-5

 

15. Elsinor Verlag (Coesfeld)

Anthony Burgess: Jetzt ein Tiger

Roman

ISBN 978-3-942788-43-4

 

16. Guggolz Verlag (Berlin)

Boris Poplawski: Apoll Besobrasow

Roman

ISBN 978-3-945370-19-3

 

17. Haymon Verlag (Innsbruck)

Oleksij Tschupa:

Märchen aus meinem Luftschutzkeller

Roman

ISBN 978-3-7099-7253-3

 

18. Ink Press (Zürich)

Toma Markov: Luizza Hut

Roman

ISBN 978-3-906811-10-9

 

19. Luftschacht Verlag (Wien)

Eivind Hofstad Evjemo: Vater, Mutter, Kim

Roman

ISBN 978-3-903081-37-6

 

20. Merlin Verlag (Gifkendorf)

Boualem Sansal:

Der Zug nach Erlingen

oder die Verwandlung Gottes

Roman

ISBN 978-3-87536-333-3

 

21. Querverlag (Berlin)

Dennis Stephan: In mir ein Ozean

Roman

ISBN 978-3-89656-281-4

 

22. salomo publishing (Dresden)

Jens-Uwe Sommerschuh: Tarantella

Roman

ISBN 978-3-941757-93-6

 

23. Schöffling & Co. (Frankfurt am Main)

Berit Glanz: Pixeltänzer

Roman

ISBN 978-3-89561-192-6

 

24. Secession (Zürich)

Anne Frank: Liebe Kitty

Briefroman

ISBN 978-3-906910-62-8

 

25. Ulrike Helmer Verlag

(Roßdorf b. Darmstadt)

Laura Lay: Flamingofeuer

Roman

ISBN 978-3-89741-426-6

 

26. Verlagshaus Berlin (Berlin)

Carl-Christian Elze:

langsames ermatten im labyrinth

Gedichte

ISBN 978-3-945832-28-8

 

27. Voland & Quist (Berlin)

Frank Rudkoffsky: Fake

Roman

ISBN 978-3-86391-243-7

 

28. Wagenbach (Berlin)

Fernanda Melchor: Saison der Wirbelstürme

Roman

ISBN 978-3-8031-3307-6

 

29. Wallstein Verlag (Göttingen)

Teresa Präauer: Tier werden

Essay

ISBN 978-3-8353-3337-6

 

30. weissbooks.w (Frankfurt am Main)

Lennardt Loß:

Und andere Formen menschlichen Versagens

Roman

ISBN 978-3-86337-175-3

Den Georg-Büchner-Preis 2019 erhält Lukas Bärfuss

Quelle: deutscheakademie.de

9. Juli 2019

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2019 an den Schriftsteller Lukas Bärfuss. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 2. November 2019 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Mit Lukas Bärfuss zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache, karg, klar und trennscharf, durchdringen sich nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit. Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens. Es sind Qualitäten, die zugleich Bärfuss‘ Essays prägen, in denen er die heutige Welt mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick begleitet.«

Lukas Bärfuss, geboren am 30. Dezember 1971 in Thun/Schweiz, ist Dramatiker, Erzähler und Essayist. Er lebt in Zürich.
Bärfuss begann zunächst 1998 als Dramatiker und avancierte zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Theaterautoren. Seine Theaterstücke wurden in rund ein Dutzend Sprachen übersetzt und werden weltweit gespielt. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen: »Die sexuellen Neurosen unserer Eltern« (2003), »Der Bus« (2005), »ÖL« (2009), »Frau Schmitz« (2016). Sein neuestes Drama, »Der Elefantengeist«, wurde im September 2018 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt.
Als Erzähler debütierte Lukas Bärfuss 2002 mit der Novelle »Die toten Männer«. Sein erster Roman »Hundert Tage« über den Völkermord in Ruanda erschien 2008. Wie dieser so fand auch sein zweiter Roman »Koala« aus dem Jahr 2014, in dem er den Suizid seines Bruders darstellerisch verarbeitet, ein großes Echo in der Öffentlichkeit. Für diesen Roman wurde ihm 2014 der Schweizer Buchpreis verliehen. 2017 erschien sein jüngster Roman »Hagard«, dessen Geschichte um einen erfolgreichen Geschäftsmann kreist, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst.
Lukas Bärfuss tritt immer wieder mit pointierten Essays und Debattenbeiträgen zum politischen Geschehen an die Öffentlichkeit. 2015 erschien sein Essayband »Stil und Moral«, 2018 der Band »Krieg und Liebe«.

Zu den vielen Auszeichnungen, die Lukas Bärfuss erhalten hat, zählen: 2005 Mülheimer Dramatikerpreis, 2008 Mara-Cassens-Preis, 2009 Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (Sonderpreis), 2010 Hans-Fallada-Preis, 2013 Berliner Literaturpreis, 2014 Solothurner Literaturpreis, 2014 Schweizer Buchpreis, 2015 Nicolas-Born-Preis, 2016 Johann-Peter-Hebel-Preis, 2018 Preis der LiteraTour Nord.

Lukas Bärfuss ist Mitglied der der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Der Georg-Büchner-Preis:
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht seit 1951 den Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Er wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt.

Lukas Bärfuss Autorenseite: http://www.lukasbaerfuss.ch
Verlage: Wallstein Verlag
Hartmann & Stauffacher

Seine Werke und Auszeichnungen im Überblick:
Prosa
Die toten Männer. Novelle. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002
Hundert Tage. Roman. Wallstein, Göttingen 2008
Koala. Roman. Wallstein, Göttingen 2014
Stil und Moral. Essays. Wallstein, Göttingen 2015
Hagard. Roman. Wallstein, Göttingen 2017
Krieg und Liebe. Essays. Wallstein, Göttingen 2018
Contact. Zeichnungen von Michael Günzburger, mit Texten von Lukas Bärfuss, Edition Patrick Frey, Zürich, 2018

Theaterstücke (im Verlag Hartmann & Stauffacher)
Sophokles‘ Oedipus (1998)
Medeää (2000)
Vier Frauen (2000)
Siebzehn Uhr siebzehn (2000)
Othello, kurze Fassung (2001)
Meienbergs Tod (2001)
Die Reise von Klaus und Edith durch den Schacht zum Mittelpunkt der Erde (2001)
august02, Nationalulk (2002)
Vier Bilder der Liebe (2002)
Die sexuellen Neurosen unserer Eltern (2003)
Heinrich IV. (2004)
Alices Reise in die Schweiz (2005)
Der Bus (Das Zeug einer Heiligen) (2005)
Jemand schreit in unseren Rosen (2005)
Amygdala (2007)
Die Probe (Der brave Simon Korach) (2007)
Öl (2009)
Malaga (2010)
Parzival (2010)
Zwanzigtausend Seiten (2012)
Anschlag (2013)
Die schwarze Halle (2013)
Frau Schmitz (2016)
Der Elefantengeist (2018)

Auszeichnungen (Auswahl)
2001 Kulturförderpreis der Stadt Thun
2003 Nachwuchsautor des Jahres der Zeitschrift Theater heute für »Die sexuellen Neurosen unserer Eltern«
2005 Mülheimer Dramatikerpreis für »Der Bus«
2005 Gerrit-Engelke-Preis
2007 Spycher: Literaturpreis Leuk
2008 Mara-Cassens-Preis für »Hundert Tage«
2008 Anna Seghers-Preis (gemeinsam mit Alejandra Costamagna)
2009 Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung für »Hundert Tage«
2009 Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (Sonderpreis) für »Hundert Tage«
2010 Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster
2011 Kulturpreis Berner Oberland
2013 Berliner Literaturpreis verbunden mit der Heiner Müller-Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut der FU Berlin
2014 Solothurner Literaturpreis
2014 Longlist beim Deutschen Buchpreis mit »Koala«
2014 Schweizer Buchpreis für »Koala«
2015 Nicolas-Born-Preis
2016 Johann-Peter-Hebel-Preis
2017 Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse mit »Hagard«
2018 Preis der LiteraTour Nord für sein bisheriges Werk und seinen jüngsten Roman »Hagard«

Bachmannpreis 2019 für Birgit Birnbacher, andere Preise an Leander Fischer, Julia Jost, Yannic Han Biao Federer und Ronya Othmann

QUELLE: bachmannpreis.orf.at

Bachmannpreis 2019 für Birgit Birnbacher

Der Bachmannpreis geht in diesem Jahr an Birgit Birnbacher. Leander Fischer bekommt den Deutschlandfunkpreis. Julia Jost nimmt den KELAG-Preis mit nach Hause. Der 3sat-Preis geht an Yannic Han Biao Federer. Das Publikum stimmte beim BKS-Bank-Preis für Ronya Othmann.

Der heißeste Bachmannpreis aller Zeiten – teilweise hatte es in Klagenfurt 38 Grad Celsius – fand am Sonntag seinen Höhepunkt. Fünf Preise wurden vergeben, die vier Jurypreise brauchten alle eine Stichwahl. Insgesamt sind drei Österreicher unter den fünf Preisträgern. Zwei Autoren sind aus Deutschland.

Gmünder: „Knisternd und aufrührend“

Die Österreicherin Birgit Birnbacher gewann mit dem Text „Der Schrank“. Es geht hier um eine soziologische Studie, eine an dieser Studie Teilnehmende und das plötzliche Erscheinen eines Schrankes. Die Laudatio für Birgit Birnbacher hielt Stefan Gmünder, er nannte die Sprache knisternd, sie rühre auf. „Plötzlich steht ein Biedermeierschränkchen im Haus, alles im Text dreht sich um eine 36-Jährige, die im Prekariat lebt.“ Ohne Winke mit dem Zaunpfahl erzähle der Text vom Lebenskampf, von Ferne klinge Samuel Becketts Endspiel an.

Birnbacher sagte in einer ersten Reaktion: „Unglaublich. Der Preis bedeutet uns allen viel, darum sind wir auch hier. Es ist eine besondere Runde, so habe ich das erlebt. Es sind viele da, die den Preis verdient hätten.“

Preisvergabe on demand

Deutschlandfunkpreis für Leander Fischer

Der Deutschlandfunkpreis ging nach einer Stichwahl zwischen dem deutschen Autor Yannic Han Biao Federer und dem Österreicher Leander Fischer an Fischer. Er las den Text „Nymphenverzeichnis Muster Nummer eins Goldkopf“, in dem Musik mit Fliegenfischen verschwimmt.

Hubert Winkels sagte in seiner Rede, er freue sich sehr, da er ja auch vom Deutschlandfunk komme. Der Titel sei sperrig, und es sei auch eine der sperrigsten Arbeiten, Köder für das Fliegenfischen zu knüpfen. „Da erfahren wir ausführlicher davon, als wir jemals wollten.“ Doch der Text schaffe es, Stück für Stück beim Zusammensetzen langsam das Vergnügen am Fertigen eines Kunstwerks zu vermitteln. Der Protagonist ist Musiklehrer, doch kein Violinkonzert könne schöner sein, als das Knüpfen der Köder.

KELAG-Preis an Julia Jost

Auch beim dritten Preis gab es eine Stichwahl, diesmal zwischen der in Kärnten geborenen Julia Jost und dem Deutschen Yannic Federer. Wie beim Deutschlandfunkpreis hing die letzte Entscheidung an Klaus Kastberger, es gewann die gebürtige Kärntnerin Julia Jost mit ihrem Text „Schakaltal“.

Klaus Kastberger sagte in seiner Laudatio, noch hätten in Kärnten nicht alle Täler den richtigen Namen. Jost zeige in ihrem Text, wie ein solcher Bezeichnungsvorgang heute fiktional von statten gehen könnte. So werde aus dem Bärental oder einem ähnlichen das Schakaltal, nach dem Schrei einer Mutter, die um ihr Kind trauert. „Es ist eine Kindergeschichte, die die Auseinandersetzung mit der braunen Vergangenheit neu führt und mit neuen Mitteln erweitert.“

3sat-Preis für Yannic Han Biao Federer

Und auch beim vierten Preis gab es eine Stichwahl, in diesem Fall zwischen Yannic Han Biao Federer und Daniel Heitzler. Es gewann Federer. Auch hier gab Klaus Kastberger den Ausschlag. Er las auf Einladung von Hildegard Keller den Text „Kenn ich nicht“. In ihrer Laudatio sagte Keller, der Text berühre, weil er eine Trennungsgeschichte radikal von außen erzähle. „Der Autor kippt in die Geschichte, seine Freunde geben ihm immer wieder neue Namen. Bei diesem Gestöber von Alter Egos findet Trauerarbeit statt, das könnte man fast übersehen.“

BKS-Bank-Publikumspreis für Ronya Othmann

Das Onlinevoting am Samstag konnte die deutsche Autorin Ronya Othmann mit ihrem Text „Vierundsiebzig“ über den Völkermord der Jesiden für sich entscheiden. Die Jury diskutierte weniger über die Qualität des Textes als darüber, wie man über Unsägliches schreiben und wie man darüber urteilen könne.