PREISTRÄGERIN 2018 Leipzig: Esther Kinsky: „Hain. Geländeroman“ – sowie Schögel, Stöhr und Durkot

Preisträger 2018

Der Preis der Leipziger Buchmesse 2018 ging an

Belletristik:
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Esther Kinsky: „Hain. Geländeroman“
(Suhrkamp Verlag)

Sachbuch/Essayistik:
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Karl Schlögel: „Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt“
(Verlag C.H.Beck)

Übersetzung:
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Sabine Stöhr und Juri Durkot: übersetzten aus dem Ukrainischen: Serhij Zhadan: Internat
(Suhrkamp Verlag)

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Die letzten (oder besten?) 30 der HOTLIST 2017 — Endauswahl von ehemals 184 Einreichungen

Arco Verlag

Vladislav Vanĉura: Felder und Schlachtfelder

Roman

 

Vladislav Vančuras radikaler Roman von 1925 ist Echo auf einen Krieg, wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte: Modernistisch und durchwirkt mit archaischer Sprache, derb und brutal in Worten und Bildern. Ein Buch vom Untergang des alten Europas im Ersten Weltkrieg, von Menschen im großen Morden, von Apokalypse und vom Anbruch einer neuen Zeit.

ars vivendi verlag

William Shakespeare: Perikles, Fürst von Tyrus – Pericles, Prince of Tyre

Drama

 

Es ist ein Meilenstein in der Übersetzungsgeschichte: Frank Günther hat mit der Fertigstellung von »Perikles« das gesamte dramatische Werk Shakespeares ins Deutsche übertragen – und dieses Mammutprojekt auch noch als Einzelperson geschultert. Band 37 von 39 Bänden der Gesamtausgabe, alle in edles Feinleinen gebunden, ist nun erschienen.

Assoziation A

Lutz Taufer: Über Grenzen

Vom Untergrund in die Favela

Autobiografie

 

Von der RAF zum Weltfriedensdienst: Das Leben Lutz Taufers gleicht einer Suchbewegung, in der das gesamte Terrain der westdeutschen radikalen Linken vermessen wird. Ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte.

Berenberg

Claude Simon: Das Pferd

Erzählung

 

Ein Dragonerregiment bezieht in einer finsteren Regennacht Quartier in einem nordfranzösischen Dorf und wird Zeuge des langsamen Sterbens eines verletzten Armeepferdes. Eine Trouvaille, in der wichtige Motive und Handlungsstränge aller späteren Romane des Nobelpreisträgers bereits angelegt sind.

bilgerverlag

Quentin Mouron: Notre-Dame-de-la-Merci

Ein windiges Dorf im Norden von Québec. Ein Blizzard fegt durch düstere Straßen ohne Hoffnung. Erzählt wird die Geschichte von Odette, Jean und Daniel, von Kokain, Liebe und Gewalt; von drei Menschen, die, getrieben vom Verlangen nach dem Glück der anderen, sich selbst abhandenkommen. Wir sehen nur Verlierer. Verlierer, die schreien. Und die Nacht, die sie zerbricht.

Czernin Verlag

Sophie Reyer: Schildkrötentage

Roman

 

Flora entdeckt eine Falte in ihrem Gesicht, hart verläuft sie den Mundwinkel hinab. Sie verliert ihren Job, hat Rückenschmerzen und in ihre Wohnung wird eingebrochen. Wie praktisch es wäre, sich in einen Panzer zurückziehen zu können!

Verlag J.H.W. Dietz Nachf.

Niklas Frank: Dunkle Seele, feiges Maul

Wie skandalös und komisch sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwaschen

Dokumentarstück

 

Anhand zahlloser Akten erzählt Niklas Frank empörende, aber auch absurd komische Fälle voller Lug und Trug aus der Zeit der Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951. Dreist verkauften damals Mitglieder und Nutznießer der NSDAP die Spruchkammern für dumm und retteten sich ohne Reue ins demokratische Deutschland.

Edition Körber

Thomas Franke: Russian Angst

Einblicke in die postsowjetische Seele

Mit empathischer Klarheit erzählt der Journalist Thomas Franke von Begegnungen und Gesprächen zwischen Moskau und der Krim, Wolgograd und Sibirien. Und er fragt, welche Folgen die Reaktivierung sowjetischer Reflexe und die Rückkehr der Angst hat – für die russische Gesellschaft genauso wie für uns.

Edition Korrespondenzen

Maarten Inghels, F. Starik: Das Einsame Begräbnis

Geschichten und Gedichte zu vergessenen Leben

„Das Einsame Begräbnis“ ist ein Projekt aus den Niederlanden und Flandern, bei dem Dichter für vereinsamt Gestorbene anhand einer Recherche ein persönliches Gedicht schreiben und dieses während des Begräbnisses verlesen. Es ist ein letzter Gruß an jene Menschen, deren Leben zumeist aus der Bahn geriet. Geschichte und Gedichte zu ihren vergessenen Leben.

GolubBooks

Srdjan Srdić: Espirando

Gesänge vom Tode

Erzählungen

 

Srdjan Srdić zeichnet in seinem Buch „Espirando” die Schicksale verschiedener Menschen nach, deren wichtigster gemeinsamer Nenner der Tod ist. Die Kurzgeschichtensammlung wurde im Jahr 2011 veröffentlicht und erhielt den serbischen Biljana-Jovanović- und den internationalen Edo-Budiša-Preis.

kookbooks

Anja Bayer: all dies hier, Majestät, ist deins

Lyrik im Anthropozän

Anthologie

 

Die Anthologie „all dies hier, Majestät, ist deins“ versucht eine Bestandsaufnahme lyrischen und experimentellen Schreibens vor dem Horizont geologischer Zeit und daraus resultierenden Fragen. Gibt es schon so etwas wie eine poetische Ästhetik des Anthropozäns? Vielleicht eine erneuerte Form von Naturlyrik oder Ecopoetics für das 21. Jahrhundert?

lichtung verlag

Ulrike Anna Bleier: Schwimmerbecken

Roman

 

Fünf Jahre hat Luise nichts von ihrem Zwillingsbruder gehört. Doch nun sitzt er am Wohnzimmertisch der Eltern, als wäre nichts geschehen. Und er spricht nur noch indonesisch. Um herauszufinden, was passiert ist, verlässt Luise ihr Dorf und begibt sich auf Spurensuche.

Luftschacht

Philipp Röding: Die Möglichkeit eines Gesprächs

Roman

 

In seinem Romandebüt “Die Möglichkeit eines Gesprächs” beschreibt Philipp Röding die innere Zerrissenheit junger Menschen, erzählt uns von ihren Hoffnungen und Ängsten, ihrer Liebe und ihrem Sex. Dabei ist er stets ganz nah an seinen Charakteren, zeigt sie uns ungeschminkt in all ihrer Zerbrechlichkeit und erörtert über sie den einzigen Ort wahrer Begegnung: das Gespräch.

mareverlag

Isabelle Autissier: Herz auf Eis

Roman

 

Sie wollen das wahre Leben spüren, der Routine ihres Pariser Alltags entfliehen. Also erfüllen sich Louise und Ludovic den Traum, die Welt zu umsegeln. Doch als die beiden auf einer unbewohnten Insel stranden, wird aus dem Abenteuer des jungen Paares ein existenzieller Kampf – ums Überleben, aber auch um ihre Menschlichkeit und ihre Liebe.

Matthes & Seitz Berlin

Brigitta Falkner: Strategien der Wirtsfindung

 

Brigitta Falkner entwirft in ihrer fröhlichen Parasitenkunde ein hintersinniges Gespinst aus faktengesättigter Erkenntnis und rauschhafter Poetisierung, in dem Naturkunde mit Elementen der Graphic Novel verschmilzt. Im symbiotischen Wechselspiel von Bild und Text verschwimmen die flirrenden Trennlinien zwischen Fakt und Fiktion, Schmarotzer und Wirtskörper – ein einzigartiges Epos über die wundersame Welt des Parasitismus.

Open House Verlag

James A. Grymes: Die Geigen des Amnon Weinstein

 

Grymes erzählt das Schicksal von sieben Geigen und ihren jüdischen Musikern während des Holocaust. Geigen, die seit den 1990er Jahren vom Geigenbauer Amnon Weinstein in Tel Aviv zu neuem Leben erweckt werden und einen neuen Weg eröffnen, den Holocaust zu verstehen.

Querverlag

Jasper Nicolaisen: Ein schönes Kleid

Roman über eine queere Familie

 

Vater-Vater-Kind. Zwei Männer auf dem Weg zum gemeinsamen Familienglück – lustig, turbulent und bewegend erzählt.

Reprodukt

Guy Delisle: Geisel

Reportageroman

 

1997 wird Christophe André, Mitarbeiter bei Ärzte ohne Grenzen, im Nordkaukasus von tschetschenischen Separatisten entführt. Guy Delisle hat die fesselnde Geschichte seiner Geiselhaft aufgezeichnet: 111 Tage Warten in fremden, abgedunkelten Räumen, ohne jedes Wissen um die Außenwelt…

Rotpunktverlag

Corinna S. Bille: Für immer Juliette

Erzählungen

 

 

Corinna Bille zeigt sich in „Für immer Juliette“ auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Ganz konkret erzählend gelingt ihr doch etwas Schwebendes, bewahrt sie ein Geheimnis. Und mit ihren verwegenen Darstellungen von körperliche Liebe zeigt sie sich ihrer Zeit weit voraus.

Secession Verlag für Literatur

Maren Kames: Halb Taube halb Pfau

 

HALB TAUBE HALB PFAU liest sich wie eine Text-Partitur, eine Melodie, bei der sich Sprache und Stille gegenseitig herausfordern und verstärken und wo durch QR-Codes die Ebenen des Textes und des Weißraums im Buch noch einmal gebrochen und erweitert werden.

Topalian & Milani

Arno Tauriinen: Goldgefasste Finsternis

Roman

 

„Ich habe diese Geschichte in einem alten, verlebten, verwanzten, abgeschliffenen Kaffeehaus aufgeschnappt, es ist eine unwahre Geschichte voller Dinge, die in dieser Art niemals stattgefunden haben.“ So beginnt Arno Tauriinens Roman um die vom Teufel ersonnene Stadt „W.“Die ganze Welt wird in ein Theaterstück transformiert. Zu verdanken ist dies dem Theatergenius Lucius Onagre, dessen Bühnenwerk „Basilisk“ sich ungebremst allmählich den ganzen Erdball ausbreitet. Was wird gespielt? Die wahre Geschichte von Gott und seinem (einstigen) Lieblingssohn, der mit den farbenprächtigsten Inszenierungen um die verlorene Liebe des Vaters  buhlt. Doch was bedeutet Liebe, wenn man unsterblich ist?

Verlag Das Wunderhorn

Dany Laferrière: Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden

Roman

 

Anfang der 1980er Jahre in Montreal: Zwei arbeitslose schwarze Migranten hausen zusammen in einer versifften Einzimmerwohnung in der Rue St. Saint-Denis. Der eine liegt auf der Couch, hört den ganzen Tag Jazz, liest im Koran und zitiert Freud. Der andere schreibt auf seiner Remington 22 .

verlag die brotsuppe

Marius Daniel Popescu: Die Farben der Schwalbe

Roman

 

Marius Daniel Popescu schlägt in diesem Buch einen Bogen zwischen seiner Kindheit in Rumänien und seiner Gegenwart als Plakatkleber in der Schweiz.
In Rumänien steht das Begräbnis seiner Mutter im Mittelpunkt, das Erinnerungen an das »Land der Einheitspartei« auslöst.
In Lausanne nimmt die innige, spielerische (auch sprachspielerische) Beziehung zu seiner Tochter den grössten Raum ein.

Verlag Theater der Zeit

Michael Schindhelm: Letzter Vorhang

Der Roman nach einer wahren Berliner Theatergeschichte

 

Michael Schindhelm – Letzter Vorhang. Roman. 256 Seiten, Verlag Theater der Zeit, Michael Schindhelm erzählt die Geschichte des Matthias Pollack.

Voland und Quist

Ziemowit Szczerek: Mordor kommt und frisst uns auf

Gonzo-Roman

 

Ein Gonzo-Roman über Backpacker auf der Suche nach Hardcore und Abenteuer im »Wilden Osten«, inspiriert von Jack Kerouacs »On the road« und Hunter S. Thompsons »Fear and Loathing in Las Vegas«.

Waldgut Verlag

Dina Sikirić: Was den Fluss bewegt

Erzählung

 

«Wer weiß, mein Kind, was den Fluss bewegt.» Dieser Satz, den die Mutter ihrer Tochter mit auf den Weg gibt, wird zum Leitmotiv des Lebens der jungen Protagonistin. Sich im stetigen Fluss befindend, pendelt sie zwischen Heimat- und Aufenthaltsland, alter und neuer Kultur, ohne sich jemals vollends in eine hineinfinden zu können.

Wallstein

Anna Baar: Als ob sie träumend gingen

Roman

 

Ein sprachmächtiger Roman, der uns einen Menschen näherbringt, und zugleich ein Jahrhundert in seinen Wirrungen, Irrtümern und großen Sehnsüchten.

Weidle Verlag

Niroz Malek: Der Spaziergänger von Aleppo

Miniaturen

 

Niroz Malek lebt in Aleppo. Trotz allem. Und er schreibt davon, wie es ist, trotz allem in Aleppo zu leben. Das Ergebnis sind kurze Texte, Miniaturen nicht nur über den Alltag in einer Stadt, auf die Bomben fallen, sondern auch Träume, Phantasien, Texte zu Musik und Literatur, Erinnerungen an gestorbene Freunde und Weggefährten.

Wieser Verlag

Miroslav Krleža: Die Fahnen

Roman

 

Ein Jahrhundert vor unserem literarischen Auge. Das epochale Werk des Meisters der Erzählung Südosteuropas liegt nun endlich in einer mustergültigen, gewissenhaften Übersetzung von Gero Fischer und Silvija Hinzmann vor. Die Fahnen zeigen ein Kaleidoskop der europäischen Geistes- und Kulturgeschichte, das Krleža zu einem großen europäischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts macht.

zu Klampen Verlag

Gerhard Staguhn: Der Penis-Komplex

Eine Analyse: biologisch, geschichtlich, psychologisch, persönlich

Sachbuch

 

Von der biblischen Penis-Genese zur Denaturalisierung von Sexualität: die erste Monografie über das beste Stück des Mannes und seine kulturgeschichtlichen Vermittlungen.

15 Finalisten für Preis der Buchmesse Leipzig (3 Kategorien mit je 5 zur Endausscheidung)

Kategorien Belletristik, Übersetzung und Sachbuch/Essayistik

365 eingereichte Werke hatte die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse 2017 zu begutachten.

Jeweils fünf Nominierte gehen nun pro Kategorie ins Rennen … um eine der renommiertesten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

 

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird am 23. März zum 13. Mal vergeben.

 

Nominierte in der Kategorie Belletristik

  • Lukas Bärfuss: „Hagard“ (Wallstein Verlag)
  • Brigitte Kronauer: „Der Scheik von Aachen“ (Klett-Cotta)
  • Steffen Popp: „118“ (Kookbooks)
  • Anne Weber: „Kirio“ (S. Fischer)
  • Natascha Wodin: „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt)

 

Nominierte in der Kategorie Sachbuch/Essayistik

  •  Leonhard Horowski: „Das Europa der Könige“ (Rowohlt)
  • Klaus Reichert: „Wolkendienst“ (S. Fischer)
  • Jörg Später: „Siegfried Kracauer“ (Suhrkamp)
  • Barbara Stollberg-Rilinger: „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit“ (C.H.Beck)
  • Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“ (Klett-Cotta)

 

Nominierte in der Kategorie Übersetzung

  •  Holger Fock, Sabine Müller: übersetzten aus dem Französischen „Kompass“ von Mathias Énard (Hanser Berlin)
  • Gregor Hens: übersetzte aus dem Englischen „Shark“ von Will Self (Hoffmann und Campe)
  • Gabriele Leupold: übersetzte aus dem Russischen „Die Baugrube“ von Andrej Platonow (Suhrkamp)
  • Eva Lüdi Kong: übersetzte aus dem Chinesischen „Die Reise in den Westen“ (Reclam)
  • Petra Strien: übersetzte aus dem Spanischen „Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda“ von Miguel de Cervantes (Die Andere Bibliothek)

 

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird am 23. März 2017 um 16 Uhr in der Glashalle vergeben. Die Preisverleihung ist dann im Livestream unter http://www.facebook.com/leipzigerbuchmesse

 

QUELLE: http://www.leipziger-buchmesse.de PRESSEMITTEILUNGEN

Ansprechpartner für die Presse:

Ruth Justen

Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

im Auftrag der Leipziger Messe

Tel.: +49 341 678-6555

Mobil: +49 174 78 31 205

Fax: +49 341 678-166555

E-Mail: r.justen AT leipziger-messe.de

 

Julia Wick

Pressereferentin

Telefon: +49 341 678-6552

Fax: +49 341 678-166552

E-Mail: j.wick AT leipziger-messe.de

 

Ansprechpartner der Jury:

Kristina Maidt-Zinke

Juryvorsitzende des Preises der Leipziger Buchmesse

E-Mail: maidtzinke AT gmx.de

 

 

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 an Carolin Emcke

QUELLE: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 24.6.2016

>> In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2016 an Carolin Emcke und ehrt damit die Journalistin und Publizistin, die mit ihren Büchern, Artikeln und Reden einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden leistet. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei besonders jenen Momenten, Situationen und Themen, in denen das Gespräch abzubrechen droht, ja nicht mehr möglich erscheint. Carolin Emcke setzt sich schwierigen Lebensbedingungen aus und beschreibt – vor allem in ihren Essays und ihren Berichten aus Kriegsgebieten – auf sehr persönliche und ungeschützte Weise, wie Gewalt, Hass und Sprachlosigkeit Menschen verändern können. Mit analytischer Empathie appelliert sie an das Vermögen aller Beteiligten, zu Verständigung und Austausch zurückzufinden. Das Werk von Carolin Emcke wird somit Vorbild für gesellschaftliches Handeln in einer Zeit, in der politische, religiöse und kulturelle Konflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen. Sie beweist, dass er möglich ist, und ihr Werk mahnt, dass wir uns dieser Aufgabe stellen müssen.“

Carolin Emcke, geboren am 18. August 1967 in Mülheim an der Ruhr, lebt als freie Publizistin in Berlin. Sie studierte ab 1987 Philosophie, Politik und Geschichte in London, Frankfurt am Main und an der Harvard University. Ihre Doktorarbeit „Kollektive Identitäten. Sozialphilosophische Grundlagen“ wurde 2000 im Campus Verlag veröffentlicht.

Von 1998 bis 2006 arbeitete Carolin Emcke als festangestellte Redakteurin beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Ab 1999 bereiste sie als Auslandsredakteurin zahlreiche Krisenregionen und berichtete unter anderem aus dem Kosovo, Afghanistan, Pakistan, Irak und dem Gaza-Streifen. Aus den Briefen, die sie zwischen 1999 und 2003 an ihre Freunde schrieb, entstand 2004 ihr erstes Buch „Von den Kriegen – Briefe an Freunde“ (S. Fischer Verlag).

2003 bis 2004 ging Carolin Emcke für ein Jahr als Visiting Lecturer an die Yale University und lehrte unter anderem über „Theorien der Gewalt“. Seit 2004 kuratiert und moderiert sie zudem die monatliche Diskussionsreihe „Streitraum“ an der Berliner Schaubühne. Von 2007 bis 2014 arbeitete sie als freie Autorin für DIE ZEIT und veröffentlichte Reportagen aus dem Irak, Haiti, dem Gazastreifen sowie zahlreiche Essays. Seit Oktober 2014 schreibt sie für die Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung eine wöchentliche Kolumne.

Carolin Emcke wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lessing-Preis des Freistaats Sachsen (2015), dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay (2014) und dem Theodor-Wolff-Preis (2008). 2010 wurde sie zur Journalistin des Jahres gewählt. Im Oktober 2016 wird mit „Gegen den Hass“ eine essayistische Auseinandersetzung mit dem Rassismus, dem Fanatismus und der Demokratiefeindlichkeit erscheinen.

Weitere Informationen sind abrufbar unter
www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

Leipzig / Frankfurt am Main, 24. Juni 2016 <<

BERLIN VERLAG: Nur noch Hardcover bleiben

Wie die Zeitung „DIE WELT“ (29.04.16) berichtet, steht dem Berlin Verlag ein heftiger Einschnitt bevor. (Sitz: Hedemannstraße 14, 10969 Berlin) Gründer des Berlin Verlags waren Arnulf Conradi, Elisabeth Ruge, Veit Heinichen

Das 1994 gegründete Unternehmen BERLIN VERLAG gibt Herstellung, Vertrieb und Marketing fortan an PIPER ab.

Die Aufgaben werden also künftig von demjenigen Piper Verlag in München übernommen, dem der Berlin Verlag seit seiner Übernahme durch die schwedische Verlagsgruppe Bonnier im Jahr 2012 organisatorisch zugeordnet ist.

Verlag und Betriebsrat werden über einen Sozialplan verhandeln.

Im Zuge der Neustrukturierung schrumpft auch das Programm.

Die Taschenbuchsparte wird nun aufgegeben und inhaltlich fortan von Piper weitergeführt.

Das auf Unterhaltungsliteratur spezialisierte Imprint Bloomsbury Berlin wird sogar eingestellt.

In Berlin verbleiben demnach Lektorat und Presse, die sich künftig auf das Hardcover-Programm in den Bereichen Belletristik und Sachbuch konzentrieren.

BGH-Urteil VG Wort-Urteil: BÖRSENVEREIN: Schwerer Schlag für Verlagskultur in Deutschland

VG Wort-Urteil: Schwerer Schlag für Verlagskultur in Deutschland – Urteil des Bundesgerichtshofs ist verfassungsrechtlich und kulturpolitisch problematisch

21.04.2016

QUELLE: http://www.boersenverein.de/de/portal/Presse/158382?presse_id=1133208

Verlage sollen nicht mehr an Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften beteiligt werden / Börsenverein fordert gesetzliche Korrektur der Entscheidungen von BGH und EuGH / Börsenverein befürchtet in Folge des Urteils Insolvenzen im Verlagsbereich / Möglichkeit der Verfassungsbeschwerde wird geprüft

Verlage in Deutschland sollen keinen Ausgleich mehr erhalten, wenn ihre Werke privat vervielfältigt oder in sonstiger gesetzlich zulässiger Weise genutzt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit seiner Zurückweisung der Revision der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) gegen eine Klage des Autors Martin Vogel heute entschieden. Demnach sollen Verlage nicht mehr an den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften beteiligt werden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wertet das Urteil als schweren Schlag für die einzigartige deutsche Verlagskultur. „Das Urteil ist kulturpolitisch höchst problematisch. Es beendet das seit Jahrzehnten bestehende fruchtbare Miteinander von Urhebern und Verlagen in den urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften. Wir brauchen umgehend eine gesetzliche Korrektur der Entscheidungen von BGH und Europäischem Gerichtshof, sonst droht die Insolvenz etlicher kleiner und mittlerer Verlage“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Der Börsenverein setzt dabei auf die Entschlossenheit der politisch Handelnden. „Der Zustand, den wir jetzt haben, war nie der wahre Wille des Gesetzgebers. Das ist auch in der Politik unumstritten“, so Skipis. „Wir verlassen uns deshalb auf die Zusagen von Bundesjustizminister Heiko Maas, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und EU-Kommissar Günter Oettinger. Sowohl im europäischen Recht als auch im deutschen Urheberrecht muss unverzüglich klargestellt werden, dass auch Verlage Rechteinhaber sind, denen ein Ausgleich für gesetzlich zulässige Nutzungen ihrer Werke zusteht.“

Den Verlagen drohen jetzt Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an die VG Wort, VG Bild-Kunst, GEMA und VG Musikedition. Damit wird eine große Zahl von Verlagen mittelfristig wegen der notwendigen Rückstellungen und der ausbleibenden Einnahmen von Verwertungsgesellschaften wirtschaftlich nicht länger überlebensfähig sein. Die Rückforderungen betragen – je nach Verlag – zwischen 20 und 200 Prozent des durchschnittlichen Jahresgewinns.

„Jeder Außenstehende und vor allem jeder Politiker sollte nachvollziehen können, dass hier im Urheberrecht etwas vollständig aus dem Ruder gelaufen ist. Die Ausschüttungen der VG Wort gelten für Werke, bei denen Verlage Satz, Druck, Lektorat, Marketing, Werbung und Vertrieb auf eigenes Risiko finanziert haben und die ohne diese Leistungen überhaupt nicht genutzt werden könnten. Sie gelten nicht für Manuskripte der Autoren“, so Skipis. Seit dem frühen 19. Jahrhundert war es geltendes Recht, die Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften zwischen Verlagen und Autoren aufzuteilen, weil Verlage für ihre Leistungen honoriert werden müssen.

An dem jetzt vom Bundesgerichtshof entschiedenen Verfahren war als Streithelferin der VG Wort auch der Verlag C.H. Beck oHG beteiligt. Dieser wird nun die Urteilsbegründung des BGH abwarten und dann prüfen, ob er gegen das Urteil Verfassungsbeschwerde einlegen wird.

Buchpreis Leipzig 2016 an Vesper und Goldstein und Döbert

Der Preis der Leipziger Buchmesse 2016 geht an Guntram Vesper, Jürgen Goldstein und Brigitte Döbert

QUELLE: PRESSEMEDUNGEN LEIPZIGER MESSE

Nachricht vom 17.03.16 | Preis der Leipziger Buchmesse, Leipziger Buchmesse / Lesefest Leipzig liest

Die Preisträger 2016 stehen fest: Guntram Vesper, Jürgen Goldstein und Brigitte Döbert erhielten heute in Leipzig den Preis der Leipziger Buchmesse 2016 in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse unter der Leitung von Kristina Maidt-Zinke hatte 401 Werke von 113 Verlagen zur Auswahl.

Kategorie Belletristik:

Guntram Vesper

Frohburg

Schöffling & Co.

Zur Begründung

Guntram Vespers Roman „Frohburg“ gehört zu den Büchern, bei denen man leicht, ganz schnell, auf die großen Begriffe kommt. Opus magnum. Mammutwerk. Solche Wendungen. Schließlich breitet Guntram Vesper eine umfangreiche Geschichtslandschaft vor uns aus, die von der Gegenwart aus die alte Bundesrepublik, die DDR natürlich, die Nazizeit umfasst und weit in die Geschichte Deutschlands zurückbindet, bis dahin, wohin nur noch die Geschichtsbücher reichen.

Es lohnt sich aber, bei diesem Roman nicht nur den großen Bau zu sehen, sondern auf die Ebene der Details zu gehen, die Ebene der einzelnen Sätze. Die Sätze in diesem Buch sind lang, oft bringen sie gleich mehrere Perspektiven zusammen, und sie sind stets konkret, geatmet, nah dran an der Mündlichkeit. Insgesamt folgen sie dabei einer Ästhetik des Verknüpfens. Man spürt beim Lesen manchmal gar nicht, wie gleitend diese Sätze einen durch die Zeiten und Geschichten, Namen und Schauplätze tragen.

Und genauso folgt der Roman auch auf der größeren Ebene dieser Ästhetik des Verknüpfens. Die große Geschichte – Weltkrieg, Einmarsch der Roten Armee, DDR-Alltag, auch Alltag des bundesrepublikanischen Literaturbetriebs – wird mit dem Kleinen, der Geschichte Frohburgs und der eigenen Familiengeschichte verknüpft.

Wovon dieser Roman handelt, das ist letztendlich immer auch die Übermacht von Geschichte, Kriege, Systeme, historischer Wandel, der über die konkreten einzelnen Menschen hinwegrollt. Diese Erfahrung des 20. Jahrhunderts ist in dem Buch aufbewahrt, und zwar – und das ist wichtig – ohne aus den sogenannten kleinen Leuten Helden zu machen. Der Roman handelt aber auch von dem Erzähler, dem Verknüpfer, den Guntram Vesper der Übermacht an Geschichte entgegenhält. Auch der Erzähler hat, bei all seinem Können, nichts Heldisches, er ist ein, wie man bei diesem lebenssatten Buch mit Erstaunen immer wieder feststellen kann, erstaunlich junger, immer wieder von sich selbst überraschter Erzähler. Man glaubt ihm gern, dass seine Erzählungen wahr sind.

Der Autor

Guntram Vesper, 1941 in Frohburg geboren, lebt und arbeitet als freier Autor in Göttingen. Sein Lyrikdebüt „Fahrplan“ erschien 1964. Neben Gedichten verfasste er vor allem Hörspiele und Erzählungen. Er wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u. a. mit dem Peter-Huchel-Preis 1985. 2006 erhielt er die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung.

Kategorie Sachbuch/Essayistik:

Jürgen Goldstein

Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt

Matthes & Seitz

Zur Begründung

Der Entdecker, Zeichner, Schriftsteller, Übersetzer und Revolutionär Georg Forster, der an James Cooks zweiter Weltumseglung teilnahm und 1793 die Mainzer Republik ausrief, hat die Leser mit seiner „Reise um die Welt“ betört. Jürgen Goldstein ist offenbar bei ihm in die Lehre gegangen. Seine Prosa ist anschaulich und unaufgeregt. Auf wunderbare Weise findet er genau das richtige Maß, sehr fein tariert er das Verhältnis von Originalzitaten und Deutung aus. Entschlossen tritt er hinter seinen Gegenstand zurück, der dadurch umso besser zur Geltung kommt.

„Zwischen Freiheit und Naturgewalt“ heißt das Buch im Untertitel. Es lässt jene kurze Episode des Globalisierungsprozesses aufleuchten, als Entdeckungen noch Verheißungen waren, noch nicht auf der Kippe, um in Verlustgeschichte umzuschlagen.

Auch Georg Forsters Leben endete mit einer Verlusterfahrung. Jürgen Goldstein fängt sie durch geschickte Montage wie ein Prisma ein. Die Tragik dieses politischen Naturschwärmers hat nichts Heroisches, sie wird gestreift von einer Art Sanftmut und Schicksalsergebenheit. Als leidenschaftlicher Jakobiner sitzt er am Ende seines Lebens allein in Paris und sieht durch die Jakobinische Schreckensherrschaft all seine Hoffnungen zerstört. Noch einmal versucht er, die Revolution als Naturereignis zu legitimieren, das sich – wie der Ausbruch eines Vulkans – nicht aufhalten lässt. In einem Brief an seine längst die Scheidung betreibende Frau schreibt er wahrheitsgemäß: „Aus der Ferne sieht alles anders aus, als man es bei näherer Betrachtung findet.“

Jürgen Goldsteins Forster-Buch ist mehr als eine Biografie. Es liest sich wie der Abenteuerroman eines Lebens, voller Erkenntnisse, die bis heute gültig sind.

Der Autor

Jürgen Goldstein, geboren 1962 in Beckum, lehrt als Professor für Philosophie an der Universität Koblenz-Landau. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Aspekte der Politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, die Konstitution der neuzeitlichen Subjektivität und Rationalität, u.a. bei Hans Blumenberg und Descartes, sowie die Geschichte der Naturwahrnehmung. 2013 erschien „Die Entdeckung der Natur“ bei Matthes & Seitz Berlin. Für „Georg Forster“ erhielt er im Herbst 2015 den Gleim-Literaturpreis.

Kategorie Übersetzung:

Brigitte Döbert

Die Tutoren von Bora Ćosić

Schöffling & Co.

Zur Begründung

Unübersetzbar: Es gibt Bücher, denen dieser Ruf vorauseilt, als wäre es ihr Schicksal. Ein trauriges Schicksal, denn es würde bedeuten, dass es aus der Sprache seines Ursprungs nicht heraus kann, und ein umso traurigeres, wenn diese Sprache nicht groß ist. Aber manche Übersetzer und Übersetzerinnen fühlen sich gerade durch solche 8000er der Literatur herausgefordert. So erging es offenbar auch Brigitte Döbert, die das Opus magnum des serbischen Autors Bora Ćosić ins Deutsche gebracht hat: Die Tutoren. Es ist ein Buch, das fünf Generationen, 150 Jahre und eine unglaubliche Menge von Personal umfasst.

Brigitte Döbert hat viel Zeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt, sie hat recherchiert, wie es so flächendeckend erst heute, im Zeitalter des Internets, geht, um noch den obskursten Anspielungen nachzuspüren, und für jede Nuance den eigenen Ton gefunden. Außer von der Pflicht zur Genauigkeit hat sie sich auch von jener Kühnheit leiten lassen, die man braucht, wenn man dem weit entfernten Fremden in der neuen Sprache eine Heimat schaffen will.

Der Autor

Brigitte Döbert, geboren 1959 in Offenbach am Main, ist freiberufliche Lektorin, Autorin und Literaturübersetzerin aus dem Bosnischen, Englischen, Kroatischen und Serbischen. Sie übersetzt neben Bora Ćosić u. a. Dževad Karahasan, Roman Simić, Dragan Velikić und Miljenko Jergović. Döbert hat zahlreiche Stipendien erhalten, darunter das Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds. 2012 war sie für den Brücke-Berlin-Preis nominiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. […]