Friedenspreis (des deutschen Buchhandels) 2017 an Margaret Atwood

QUELLE: Börsenverein, 13.6.2017

>>Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat die kanadische Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin Margaret Atwood zur diesjährigen Trägerin des Friedenspreises gewählt. Das gab Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei der Eröffnung der Buchtage Berlin 2017 bekannt. Die Verleihung findet zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 15. Oktober 2017, in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt und wird live im Fernsehen übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.


In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Die kanadische Schriftstel­lerin, Essayistin und Dichterin zeigt in ihren Romanen und Sachbüchern immer wieder ihr politisches Gespür und ihre Hellhörigkeit für gefährli­che unterschwellige Entwicklungen und Strömungen. Als eine der bedeu­tendsten Erzählerinnen unserer Zeit stellt sie die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen ins Zentrum ihres Schaffens und lotet sie in ihren utopischen wie dystopischen Werken furchtlos aus. Indem sie mensch­liche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie leicht ver­meintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann. Humanität, Ge­rechtigkeitsstreben und Toleranz prägen die Hal­tung Margaret Atwoods, die mit wachem Bewusstsein und tiefer Men­schenkenntnis auf die Welt blickt und ihre Analysen und Sorgen für uns so sprachgewaltig wie lite­rarisch eindringlich formuliert. Durch sie erfahren wir, wer wir sind, wo wir stehen und was wir uns und einem friedlichen Zusammenleben schuldig sind.“

Margaret Atwood, geboren am 18. November 1939 im kanadischen Ottawa, gilt als wichtigste und erfolgreichste Autorin Kanadas. Ihr Werk, bestehend aus Romanen, Kurzgeschichten, Essays, Lyrik, Theaterstücken, Drehbüchern und Kinderbüchern ist mittlerweile in mehr als 30 Spra­chen erschienen. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Graeme Gibson, in Toronto.

Von 1957 bis 1962 studierte Margaret Atwood in Toronto und Cam­bridge/Massachusetts Englisch und Literatur. Ab 1964 war sie als Literaturwissenschaftlerin an verschiedenen Universitäten tätig. Erste Gedichte (wie „The Circle Game“) publiziert sie bereits Anfang der 1960er Jahre im „Selbstdruckverfahren“. Mit der Veröffentlichung ihres ersten literaturkritischen Werks „Survival: A Thematic Guide to Canadian Literature“ (1972) und ihrer ersten beiden Romane „Die essbare Frau“ (1969; dt. 1985) und „Der lange Traum“ (1972; dt. 1979) erlangte sie national wie auch international erste größere Bekanntheit.

In ihren literarischen und essayistischen Werken setzt sich Atwood intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinander. In ihrem 1985 (dt. 1987) erschienenen utopischen Roman „Der Report der Magd“ beschreibt sie in der Tradition George Orwells eine totalitäre Ge­sellschaft, in der Frauen als Gebärmaschinen benutzt und unterdrückt werden. In ihrer Endzeit-Trilogie „Oryx und Crake“ (2003), „Das Jahr der Flut“ (2009) und „Die Geschichte von Zeb“ (2013, dt. 2014) entwirft sie eine postapokalyptische Welt, durch die sie die ökologischen Auswirkun­gen und gefährliche Strömungen in der Gesellschaft ins Auge nimmt. Ihr Essay „Payback. Schulden und die Schattenseiten des Wohlstands“ (2008) thematisiert die Voraussetzungen und Folgen der weltweiten Finanzkrise. Auch über ihr künstlerisches Schaffen hinaus engagiert sich Atwood politisch und gesellschaftlich, etwa als Umweltaktivistin. Gemein­sam mit Salman Rushdie führt sie seit Mai 2017 eine Kampagne des PEN International an, die verfolgten und von Zen­sur bedrohten Menschen Unterstützung und größere Aufmerksamkeit geben will.

Margaret Atwood wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Booker Prize for Fiction (2000), dem Nelly Sachs-Preis (2009), dem Canadian Booksellers‘ Lifetime Achievement Award (2012) und dem PEN Printer Prize (2016). Zuletzt erschien ihr Roman „Hexen­jagd“ (2016, dt. 2017). Ende 2017 wird der Essayband „Aus Neugier und Leidenschaft“ veröffentlicht, in dem der schriftstellerische Kosmos von Margaret Atwood mit Rezensionen, Reisebereichten, Schriften zu ökolo­gischen Themen und Erzählungen vorgestellt wird.<<

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PEN: Regula Venske, die bisherige Generalsekretärin, löst als Präsident(in) Josef Haslinger ab

Jahrestagung des PEN-Zentrums Deutschland.

QUELLE: PEN http://www.pen-deutschland.de

>> Die Tagung stand unter dem Motto „Bleib erschütterbar und widersteh.“ (Peter Rühmkorf). Als neue Präsidentin löst Regula Venske, die bisherige Generalsekretärin, ihren Vorgänger Josef Haslinger ab, der das Amt vier Jahre innehatte. Carlos Collado Seidel wählten die PEN-Mitglieder zum neuen Generalsekretär, Jürgen Jankofsky zum neuen Schatzmeister. Die beiden Vizepräsidenten Sascha Feuchert (zuständig für das Writers-in-Prison Programm) und Franziska Sperr (Writers-in-Exile) wurden in ihren Ämtern bestätigt. Nina George, Tanja Kinkel und Heinrich Peuckmann wurden als Beisitzer wiedergewählt. Neu im Präsidium sind Nora Bossong und Ilija Trojanow.

„Das Wort ist die Waffe, die die Herrschenden in autoritären Regimen weltweit am meisten fürchten. Die ersten, die verhaftet werden, sind die Schriftsteller und Journalisten. Das freie Wort ist elementar für Freiheit, Wahrheit und Menschenwürde. Dafür kämpfen wir“, so PEN-Präsidentin Regula Venske.

 Die in Dortmund versammelten PEN-Mitglieder rufen die Regierung der Russischen Föderation auf, die Pressefreiheit und den Schutz der Menschenrechte landesweit zu gewährleisten. Drohungen gegen einzelne Zeitungen und Journalist/innen wie letzthin gegen Elena Milashina von der Novaya Gazeta sind zu untersuchen und zu unterbinden.

Zudem fordern die Autoren von der türkischen Regierung und Präsident Erdoğan, die Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäußerung zu beenden und den Ausnahmezustand aufzuheben. Insbesondere appelliert das PEN-Zentrum Deutschland an die türkischen Machthaber, Deniz Yücel und alle weiteren Personen freizulassen, die lediglich aufgrund der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung gefangen gehalten werden, und die Unabhängigkeit der Justiz.

Desgleichen wendet sich der deutsche PEN gegen nationalistische Bewegungen, insbesondere gegen Positionen, wie sie AfD, Pegida und ähnliche Gruppierungen vertreten. Derartige politische Formationen stehen den Grundüberzeugungen des PEN – Freiheit, Solidarität in sozialen Fragen, Toleranz – diametral entgegen. Der PEN ist der Auffassung, dass sich solche Bewegungen gegen den Kernbestand demokratischer und toleranter Grundordnungen richten und Pluralität sowie Meinungsfreiheit gefährden. „Die Vergangenheit prägt unser Handeln in der Gegenwart. Vergessen zu wollen, führt uns in die Irre“, so der neue Generalsekretär und Historiker Carlos Collado Seidel.

Außerdem erklärten die Schriftsteller ihre Solidarität mit PEN-Autorin Petra Reski, die aufgrund eines Artikels über die Mafia in Deutschland im „Freitag“ von einem italienischen Geschäftsmann wegen „Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte“ verklagt und vom Freitag-Verleger Jakob Augstein bei der gerichtlichen Auseinandersetzung vor dem Landgericht Leipzig im Stich gelassen wurde. Das PEN-Zentrum Deutschland sieht in dem Urteil den Versuch, kritische Autoren und Journalisten in Deutschland zum Schweigen zu bringen und fordert die Öffentlichkeit auf, sich mit der Journalistin zu solidarisieren.

27 Autorinnen und Autoren wurden – vorbehaltlich ihrer Unterzeichnung der Charta des internationalen PEN – neu aufgenommen, darunter Kirsten Boie, Daniel Falb und Jan Koneffke. <<

Die neue Buchmesse-App will spionierend zu vieles vom Nutzer wissen

Die Frankfurter Buchmesse-App ist da. Pünktlich zur Buchmesse 2016.

Offizieller Text:

>>Auch unterwegs bestens versorgt – dafür sorgt die Buchmesse-App für Apple und Android. In einem verbesserten Design finden Sie alle Kataloge, den Hallenplan, ihren persönlichen Kalender mit Erinnerungsfunktion sowie eine Favoritenliste. Mit den interaktiven VIP-Touren erleben Sie die Highlights prominenter Besucher oder Themenrundgänge.

Der aktuelle Buchmesse Katalog kostenlos
Exklusive Events

Frühzeitige Orientierung

Finden Sie Ihre LinkedIn-Kontakte auf der Messe!<<

 

Laut Beobachtern der Szene greift die neue Buchmesse-App auf viel zu vieles von den Nutzern/Usern zu:

Geräte- und Appverlauf JA

Identität JA

Kalender JA

Kontakte JA

Standort JA

Kamera JA

WLAN-Verbindungsinformationen JA

Informationen zur Bluetooth-Verbindung JA

Außerdem will LINKED-IN (siehe oben, wurde ja auch angekündigt) auf die Kontakte des Nutzers zugreifen.

Man fragt sich, welchen Dienst die Buchmesse damit sich selbst und den Verlagen tut.

Soll das die Moderne sein: Alles wird erfasst?

Und dann noch von denen, von denen man höchste Sensiblität erwarten sollte?

Von der Buchmesse daselbst?

Anita Djafari ist BücherFrau des Jahres 2016

QUELLE: Presserklärung der BücherFrauen.

Die BücherFrauen e.V./Women in Publishing wählten Anita Djafari zur BücherFrau des Jahres und ehren mit der Auszeichnung ihr unermüdliches Engagement für die Förderung und Vermittlung der Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Arabischen Welt.

Mit Anita Djafari, Geschäftsleiterin von Litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V. und Chefredakteurin der Zeitschrift LiteraturNachrichten Afrika-Asien-Lateinamerika, wählten die BücherFrauen eine »unermüdliche Netzwerkerin, die ihre Projekte mit unbändiger Energie und viel Herzblut vorantreibt«. Anita Djafari vernetzt das deutsche Lesepublikum mit den Teilen der Welt, in denen es noch viel zu entdecken gilt, wie es in der Nominierung heißt. Diese »weißen Flecken der literarischen Welt« zumindest kleiner werden zu lassen, »Literatur über Grenzen hinweg zu vermitteln und Horizonte zu erweitern«, treibe sie an.

Anita Djafari studierte Germanistik und Anglistik und arbeitete bei den Verlagen Qumran und Antje Kunstmann. 1986 gründete sie in Frankfurt ihre eigene Buchhandlung Neue Horizonte mit dem damals sogenannten Schwerpunkt Dritte-Welt-Literatur, die sie mehrere Jahre leitete. Sie lebte drei Jahre in Peru, war nach ihrer Rückkehr nach Frankfurt von 1992 bis 2006 als freiberufliche Übersetzerin und Literaturvermittlerin tätig und organisierte 2005 und 2006 die Auftritte der Ehrengastländer Korea und Indien auf der Frankfurter Buchmesse.

Seit 1980 ist sie ehrenamtlich für Litprom aktiv, ab 2006 dann festangestellt. Sie vermittelt Autorinnen und Verlage, sucht und findet Übersetzer, Gutachterinnen und nicht zuletzt Geldgeber für Übersetzung und Veröffentlichung von Werken zeitgenössischer Autorinnen und Autoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika im deutschsprachigen Raum. 2007 übernahm sie die Chefredaktion der Zeitschrift LiteraturNachrichten und wurde 2009 Geschäftsleiterin von Litprom.

Ihr Engagement ist vielfältig: Neben regelmäßigen Litprom-Aktivitäten rief sie das Festival Litprom Literaturtage ins Leben, das jährlich eine Weltregion in den Fokus rückt. Für den von ihr mitbegründeten Autorinnen-Literaturpreis LiBeraturpreis machte sie sich stark und sicherte das Fortbestehen dieses seit 30 Jahren bestehenden Preises. Sie ist Herausgeberin der Litprom-Bestenliste Weltempfänger und organisiert seit 2010 das Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung – Weltempfang mit seinem umfangreichen Programm auf der Frankfurter Buchmesse.

»Ohne Anita Djafaris Engagement, ihre Überzeugungsarbeit, ihre Beharrlichkeit, ihren Sachverstand und ihre langjährige Erfahrung wäre das kulturelle Leben Deutschlands, wenn nicht der ganzen Welt, ein ganzes Stück ärmer.« Dieser Satz aus der Nominierung scheint nicht übertrieben.

Besonders stolz ist Anita Djafari darauf, dass die von ihr 1989 in Peru gegründete Sprachschule bis heute besteht und sich gut entwickelt.

Und nicht zuletzt ist Anita Djafari seit 2002 Mitglied bei den BücherFrauen e. V./Women in Publishing und war lange Zeit Städtesprecherin der Frankfurter Regionalgruppe.

Die Auszeichnung überraschte Anita Djafari kurz vor ihrem Abflug zur Buchmesse in Teheran: »Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, auch und vor allem weil sie ein Licht auf unsere wichtige Arbeit wirft. Nie fand ich sie wertvoller als heute, wo das Schüren von Angst und Ressentiments gegen Fremde so leicht zu sein scheint. Wir halten dagegen, weil wir fest daran glauben, dass Literatur aus aller Welt zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann. Diese Auszeichnung gibt uns Wind unter die Flügel, dafür bedanke ich mich herzlich.«

Die Laudatio und offizielle Ehrung von Anita Djafari als BücherFrau des Jahres 2016 erfolgt während der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Genauer Zeitpunkt und Ort werden noch bekanntgegeben.

Kontakt: presse(at)buecherfrauen.de

Glauserpreis 2016: Die Preisträger und die Nominierten

Das SYNDIKAT schreibt jedes Jahr Autorenpreise aus, die vom SYNDIKAT e.V., dem Verein zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur, gestiftet werden: den Friedrich-Glauser-Preis in den Sparten „Roman“, „Debütroman“ und „Kurzkrimi“, den Hansjörg-Martin-Preis für den besten Kinder- und Jugendkrimi sowie den Ehrenglauser für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur.

Die Preisträger und Nominierten des Friedrich-Glauser-Preises 2016 und des Hansjörg-Martin-Preises 2016 sind:

Preisträger und Nominierte in der Sparte „Kriminalroman“

  • Gewinner: Michael Böhm: Herr Petermann und das Triptychon des Todes, Bookspot Verlag
  • Ulrich Effenhauser: Alias Toller, Transit
  • Andreas Gruber: Todesurteil, Goldmann
  • Ria Klug: Die Vollpfostenmasche, Grafit
  • Merle Kröger: Havarie, Argument/Ariadne

Preisträger und Nominierte in der Sparte „Debüt-Kriminalroman“

  • Vera Buck: Runa, Limes
  • Gewinner: Benjamin Cors: Strandgut, dtv
  • Carsten Germis: Sayonara Bulle, rororo
  • Iris Grädler: Meer des Schweigens, Dumont
  • Clara Weiss: Milchsblut, Goldmann

Preisträgerin und Nominierte in der Sparte „Kurzkrimi

  • Christiane Dieckerhoff: Hechte der Nacht, in: Flossen hoch 3.0 – Jetzt erst recht, Leda Verlag
  • Gewinnerin: Iris Leister: Der Hias, in: BoandlKramer & andere Geschichten aus dem Bayerischen Wald, Edition Golbet, HePeLo Verlag
  • Laura Müller-Hennig: Wenn sie da ist, in: Mordlichterglanz, Leinpfad Verlag
  • Friederike Schmöe: Das nackte Licht, in: Glühweinopfer und Lebkuchenleichen. Ein fränkischer Adventskalender in 24 Kurzkrimis, ars vivendi
  • Roland Spranger: C, in: Tatort Franken No. 6, ars vivendi

Preistägerin und Nominierte des Hansjörg-Martin-Preises

  • Wulf Dorn: Die Nacht gehört den Wölfen, cbt
  • Kristina Dunker: Bevor er es wieder tut, dtv pocket
  • Andreas Hartmann (Autor), Ulla Mersmeyer (Illustratorin): Auf die harte Tour, Obelisk
  • Annette Mierswa (Autorin), Nina Dulleck (Illustratorin): Die geheime Welt der Suni Stern, Tulipan
  • Gewinnerin: Ursula Poznanski: Layers, Loewe

DerEhrenglauser geht an Jürgen Kehrer in Würdigung seines Engagements für die deutschsprachige Kriminalliteratur und für sein bisheriges literarisches Gesamtwerk im Bereich der Kriminalliteratur.

 

QUELLE: http://www.das-syndikat.com

Wortlaut Pressemitteilung BGH zu BGH-Urteil 21-4-2016 zur Sache VG Wort

Keine pauschale Beteiligung von Verlagen an den
Einnahmen der VG Wort

Pressemitteilungen » Pressemitteilungen aus dem Jahr 2016 » Pressemitteilung Nr. 75/16 vom 21.4.2016

Siehe auch:  Urteil des I. Zivilsenats vom 21.4.2016 – I ZR 198/13 –

Bundesgerichtshof

Mitteilung der Pressestelle


Nr. 75/2016

Urteil vom 21. April 2016 – I ZR 198/13 – Verlegeranteil

Der u.a. für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden, dass die VG Wort nicht berechtigt ist, einen pauschalen Betrag in Höhe von grundsätzlich der Hälfte ihrer Einnahmen an Verlage auszuzahlen.

Die Beklagte ist die im Jahr 1958 gegründete Verwertungsgesellschaft Wort. Sie ist ein rechtsfähiger Verein kraft staatlicher Verleihung, in dem sich Wortautoren und deren Verleger zur gemeinsamen Verwertung von Urheberrechten zusammengeschlossen haben. Sie nimmt als einzige Verwertungsgesellschaft in Deutschland die ihr vertraglich anvertrauten urheberrechtlichen Befugnisse von Wortautoren und deren Verlegern wahr.

Der Kläger ist Autor wissenschaftlicher Werke. Er hat mit der Beklagten im Jahr 1984 einen Wahrnehmungsvertrag geschlossen. Darin hat er ihr unter anderem die gesetzlichen Vergütungsansprüche für das aufgrund bestimmter Schrankenbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes zulässige Vervielfältigen seiner Werke zum privaten Gebrauch zur Wahrnehmung übertragen.

Mit seiner Klage wendet der Kläger sich dagegen, dass die Beklagte die Verleger und bestimmte Urheberorganisationen entsprechend den Bestimmungen ihres Verteilungsplans an ihren Einnahmen beteiligt und dadurch seinen Anteil an diesen Einnahmen schmälert.

Das Oberlandesgericht hat der Klage weitgehend stattgegeben. Gegen diese Entscheidung hat die Beklagte Revision eingelegt, mit der sie die vollständige Abweisung der Klage erstrebt. Der Kläger hat Anschlussrevision eingelegt, mit der er erreichen möchte, dass seiner Klage in vollem Umfang stattgegeben wird. Der Bundesgerichtshof hat die Rechtsmittel beider Parteien zurückgewiesen.

Die Beklagte ist – so der Bundesgerichtshof – nicht berechtigt, einen pauschalen Betrag in Höhe von grundsätzlich der Hälfte ihrer Einnahmen an Verlage auszuschütten. Eine Verwertungsgesellschaft hat die Einnahmen aus der Wahrnehmung der ihr anvertrauten Rechte und Ansprüche ausschließlich an die Inhaber dieser Rechte und Ansprüche auszukehren; dabei muss sie diese Einnahmen in dem Verhältnis an die Berechtigten verteilen, in dem diese Einnahmen auf einer Verwertung der Rechte und Geltendmachung von Ansprüchen der jeweiligen Berechtigten beruhen. Damit ist es nicht zu vereinbaren, dass die Beklagte den Verlegern einen pauschalen Anteil ihrer Einnahmen auszahlt, ohne darauf abzustellen, ob und inwieweit diese Einnahmen auf der Wahrnehmung der ihr von Verlegern eingeräumten Rechte oder übertragenen Ansprüche beruhen. Allein der Umstand, dass die verlegerische Leistung es der Beklagten erst ermöglicht, Einnahmen aus der Verwertung der verlegten Werke der Autoren zu erzielen, rechtfertigt es nicht, einen Teil dieser Einnahmen den Verlegern auszuzahlen. Es ist auch nicht ersichtlich, dass die Beklagte mit der Wahrnehmung der ihr von Verlegern eingeräumten Rechte oder übertragenen Ansprüche tatsächlich Einnahmen in einem Umfang erzielt, der es rechtfertigt, regelmäßig die Hälfte der Verteilungssumme an die Verleger auszuschütten. Den Verlegern stehen nach dem Urheberrechtsgesetz keine eigenen Rechte oder Ansprüche zu, die von der Beklagten wahrgenommen werden könnten. Verleger sind – von den im Streitfall nicht in Rede stehenden Presseverlegern abgesehen – nicht Inhaber eines Leistungsschutzrechts. Die gesetzlichen Vergütungsansprüche für die Nutzung verlegter Werke stehen kraft Gesetzes originär den Urhebern zu. Die Beklagte nimmt auch keine den Verlegern von den Urhebern eingeräumten Rechte oder abgetretenen Ansprüche in einem Umfang wahr, der eine Beteiligung der Verleger an der Hälfte der Einnahmen der Beklagten begründen könnte. Das Verlagsrecht räumen die Verleger der Beklagten nicht zur Wahrnehmung ein. Gesetzliche Vergütungsansprüche haben die Urheber den Verlegern jedenfalls nicht in einem Umfang wirksam abgetreten, der es rechtfertigen könnte, die Hälfte der Einnahmen an die Verlage auszuschütten.

Dagegen durfte die Beklagte – so der Bundesgerichtshof weiter – bestimmte Urheberorganisationen an ihren Einnahmen beteiligen, soweit die Autoren diesen Organisationen ihre bereits entstandenen gesetzlichen Vergütungsansprüche abgetreten hatten.

Vorinstanzen:

LG München I – Urteil vom 24. Mai 2012 – 7 O 28640/11

OLG München – Urteil vom 17. Oktober 2013 – 6 U 2492/12

Karlsruhe, den 21. April 2016

Pressestelle des Bundesgerichtshofs
76125 Karlsruhe
Telefon (0721) 159-5013
Telefax (0721) 159-5501

BGH-Urteil VG Wort-Urteil: BÖRSENVEREIN: Schwerer Schlag für Verlagskultur in Deutschland

VG Wort-Urteil: Schwerer Schlag für Verlagskultur in Deutschland – Urteil des Bundesgerichtshofs ist verfassungsrechtlich und kulturpolitisch problematisch

21.04.2016

QUELLE: http://www.boersenverein.de/de/portal/Presse/158382?presse_id=1133208

Verlage sollen nicht mehr an Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften beteiligt werden / Börsenverein fordert gesetzliche Korrektur der Entscheidungen von BGH und EuGH / Börsenverein befürchtet in Folge des Urteils Insolvenzen im Verlagsbereich / Möglichkeit der Verfassungsbeschwerde wird geprüft

Verlage in Deutschland sollen keinen Ausgleich mehr erhalten, wenn ihre Werke privat vervielfältigt oder in sonstiger gesetzlich zulässiger Weise genutzt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit seiner Zurückweisung der Revision der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) gegen eine Klage des Autors Martin Vogel heute entschieden. Demnach sollen Verlage nicht mehr an den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften beteiligt werden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wertet das Urteil als schweren Schlag für die einzigartige deutsche Verlagskultur. „Das Urteil ist kulturpolitisch höchst problematisch. Es beendet das seit Jahrzehnten bestehende fruchtbare Miteinander von Urhebern und Verlagen in den urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften. Wir brauchen umgehend eine gesetzliche Korrektur der Entscheidungen von BGH und Europäischem Gerichtshof, sonst droht die Insolvenz etlicher kleiner und mittlerer Verlage“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Der Börsenverein setzt dabei auf die Entschlossenheit der politisch Handelnden. „Der Zustand, den wir jetzt haben, war nie der wahre Wille des Gesetzgebers. Das ist auch in der Politik unumstritten“, so Skipis. „Wir verlassen uns deshalb auf die Zusagen von Bundesjustizminister Heiko Maas, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und EU-Kommissar Günter Oettinger. Sowohl im europäischen Recht als auch im deutschen Urheberrecht muss unverzüglich klargestellt werden, dass auch Verlage Rechteinhaber sind, denen ein Ausgleich für gesetzlich zulässige Nutzungen ihrer Werke zusteht.“

Den Verlagen drohen jetzt Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an die VG Wort, VG Bild-Kunst, GEMA und VG Musikedition. Damit wird eine große Zahl von Verlagen mittelfristig wegen der notwendigen Rückstellungen und der ausbleibenden Einnahmen von Verwertungsgesellschaften wirtschaftlich nicht länger überlebensfähig sein. Die Rückforderungen betragen – je nach Verlag – zwischen 20 und 200 Prozent des durchschnittlichen Jahresgewinns.

„Jeder Außenstehende und vor allem jeder Politiker sollte nachvollziehen können, dass hier im Urheberrecht etwas vollständig aus dem Ruder gelaufen ist. Die Ausschüttungen der VG Wort gelten für Werke, bei denen Verlage Satz, Druck, Lektorat, Marketing, Werbung und Vertrieb auf eigenes Risiko finanziert haben und die ohne diese Leistungen überhaupt nicht genutzt werden könnten. Sie gelten nicht für Manuskripte der Autoren“, so Skipis. Seit dem frühen 19. Jahrhundert war es geltendes Recht, die Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften zwischen Verlagen und Autoren aufzuteilen, weil Verlage für ihre Leistungen honoriert werden müssen.

An dem jetzt vom Bundesgerichtshof entschiedenen Verfahren war als Streithelferin der VG Wort auch der Verlag C.H. Beck oHG beteiligt. Dieser wird nun die Urteilsbegründung des BGH abwarten und dann prüfen, ob er gegen das Urteil Verfassungsbeschwerde einlegen wird.