„Junge Lieder“ des Wolfgang Müller von Königswinter (das Buch von 1841 im Dezember 2022 endlich neu gedruckt)

Wolfgang Müller von Königswinter, das war der Künstlername, der Name als Autor.

Warum? Er wurde am 5.3.1816 in Königswinter geboren, und er blieb seiner Geburtsstadt durch diesen später so angenommenen Namen auf ewig treu. Wolfgang Müller von Königswinter schrieb sehr viele Bücher und Artikel, war eine bedeutsamer Schriftsteller der Rheinromantik und wirkte an vielen Schnittstellen von Kunst und Kultur, besonders in Düsseldorf, besonders in Köln. (Von den dort verlebten Jahren her waren Düsseldorf und Köln seine Kernstädte.)

Im Jahr 2023 jährt sich der Todestag zum 150. Mal. Viele kennen ihn heute nicht mehr, schade. Sein Geburtshaus in Königswinter existiert auch nicht mehr, schade. Aber seine Bücher und Texte sind natürlich noch da. Oft aber versteckt in Bibliotheken, und dann eben in der Schrift, die damals noch üblich war: in der Frakturschrift. Diese liest heute kaum noch ein Mensch.

Will man also diesen Wolfgang Müller von Königswinter neu entdecken, sollte es die Texte auch in der heute üblichen Schrift geben. Das Buch „Junge Lieder“ erschien nämlich im Frühjahr 1841, da war jener Wolfgang Müller (geboren allerdings als „Wilhelm“ bzw. „Wilhelm Carl“ bzw. „Peter Wilhelm Carl“, Rufname „Wilhelm“, Nachname „Müller“) 25 Jahre alt. Und man druckte üblicherweise in Frakturschrift. Auch in Düsseldorf bei der/dem Buchhandung/Verlag Schreiner, wo „Junge Lieder“ erschienen und wo Müller damals lebte.

Es sind in diesem Buch 70 Gedichte, die von der Natur handeln, von der Liebe, vom Aufbruch, von Rebellion und Demokratie, vom Bürger, vom Bruder, vom Handwerker. Auch von Rhein, Ahr und Meer. Berge, Kähne, junge Frauen. Ein breites Spektrum der Jugend. Die Gedichte wurden oft schon vor 1841 verfasst, aber das Buch „Junge Lieder“ wurde 1841 das erste eigene Buch (die erste „Monographie“) von diesem Wilhelm, der sich dann Wolfgang nannte. „Wolfgang Müller“ gedruckt auf dem Buch-Titel … das war also die offizielle „Geburt“ des Schriftstellers, wenngleich der gelernte und bald auch in Düsseldorf praktizierende Arzt schon früher mal da und dort ein Gedicht veröffentlichen konnte. Außerdem lernte er Leute wie Simrock oder Freiligrath oder Kinkel kennen. Sie wurden zu Freunden. Zugleich tauchte er in Düsseldorf in die „Malerszene“ ein, einer wie „Jakob Becker von Worms“ wurde Freund und später sogar Schwager des Wolfgang Müller, der sich immer auch mit Malerei und Kunst befasste, organisierend wie schreibend.

Zum Buch: Gedichte, die „Junge Lieder“ heißen, verweisen natürlich auch auf die Idee des Gesanges. Es sind also Gedichttexte, die aus der Sicht Müllers gesungen werden könnten oder sollten. Man denke an die gesamte Chorbewegung ab 1814 und dann danach! Es sind etliche Texte auch wirklich zu Liedern geworden. Leider kennen wir diese heute rund 180 Jahre nach der Buchveröffentlichung kaum noch. (Das Buch aber weist auf etliche Vertonungen hin. Im Internet gibt es dazu zudem noch eine Liste zu den Kompositionen: Welcher Text der 70 Gedichte wurde zur Melodie?)

Nun aber sind sie also wieder da, 70 frühe Gedichte und das Buch „Junge Lieder“, „endlich“ gedruckt „in heutiger Schrift“. Der Verlag hat also die Frakturschrift in lesbare Antiqua-Schriften umgewandelt, zugleich aber die alte Rechtschreibung beibehalten. Das ist sehr schön, wenn man die vielen Worte in alter Recht-Schreibung endlich mal ohne viel Mühe lesen kann. Wenn Leserinnen und Leser den Zeitgeist auch qua Schreibung erspüren können. Es gibt extra noch mehrere Seiten, wo diese alten Schreibweisen einfach mal aufgelistet werden, von „Unterthan“ mit th bis „Brod“ mit d.

Im Anhang von über 60 Seiten wird vieles Wichtige zu Müller aus heutiger Sicht gesagt, da werden etliche Facetten um Müller und um das Buch herum angesprochen.

Wolfgang Müller von Königswinter sollte auch heute wieder gelesen werden. Die Gedichte berühren so viele Gefühle, die wir als „Rheinromantik“ kennen. Sobald man Romantik als Gegenentwurf auch zum Krieg (Russlands Angriff auf die Ukraine!) ansieht, als Protest sogar, spürt man, wie wichtig solche Texte heute sein können. Auch die Klimakatastrophe bringt uns ursprüngliches Naturerleben wie hier aus den Jahren um 1840 so viel näher.

„Mein Herz schlägt am Rheine“, das wäre wohl das bekannteste Müller-Lied bzw. sein bekanntester Gedichttext. Der findet sich auch im Buch, klar. In der Urversion quasi.

Und: In Königswinter am Rhein steht immer noch seine Büste, die man mal (im Juni 1896) zu seinen Ehren aufgestellt hatte. (Haltestelle der Straßenbahn/U-Bahn-Linie 66: „Königswinter Denkmal“.)

Jener Wolfgang Müller von Königswinter ist ein Prominenter, den aber heute nicht mehr so viele kennen. Am 29.6.1873 starb er in Neuenahr (heute Bad Neuenahr, die Familie mütterlicherseits wohnte in Bad Bodendorf), Müller hatte aber seinen Wohnsitz zuletzt 20 Jahre lang in Köln, wo er (neben seiner Schriftstellerei) an Museumsneubauten und Denkmalkommissionen und Kunstausstellungen et al. aktivst beteiligt war. Auch als Sekretär im Kunstverein. Zudem war er durch Einheirat in die Bankiersfamilie Schnitzler/Stein bestens mit den Kölner Eliten vernetzt. (Während er 1848 noch als revolutionär-demokratischer Mensch Mitglied ein paar Tage im „Vorparlament“ in Frankfurt gewesen war!)

Königswinter und dem Siebengebirge und dem Rheintal hielt er aber immer die Treue, nicht nur durch den bewusst angenommenen Künstlernamen: „Wolfgang Müller von Königswinter“. Der war sein „Alleinstellungsmerkmal“.


Wolfgang Müller von Königswinter

JUNGE LIEDER

Die wunderbar romantischen Dichtungen von 1841 endlich in heutiger Schrift

Zugleich aber der Originaltext des stürmischen Poeten in der herrlichen Rechtschreibung von damals

ISBN 978-3-96290-036-6

Der wunderbare Hans Magnus Enzensberger am 24.11.2022 verstorben

Geboren am 11. November 1929 in Kaufbeuren | gestorben am 24. November 2022 in München.

WERKLISTE laut WIKIPEDIA, abgerufen am 25.11.2022

Werke (Auswahl)

Gedichtbände
verteidigung der wölfe. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1957.
landessprache. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1960.
Gedichte. Die Entstehung eines Gedichts. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1962.
blindenschrift. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1964.
Mausoleum. 37 Balladen aus der Geschichte des Fortschritts. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975.
Der Untergang der Titanic. Eine Komödie. Versepos. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978.
Die Furie des Verschwindens. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1980.
Zukunftsmusik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991.
Kiosk. Neue Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995.
Leichter als Luft. Moralische Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 978-3-518-41058-5.
Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-518-41391-3.
Rebus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-42052-2.
Blauwärts. Ein Ausflug zu dritt. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42346-2.
Wirrwarr. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-42916-7.

Essays (Auswahl)
Brentanos Poetik. 1961. (Druckfassung der Diss. Erlangen 1955.)
Einzelheiten. 1962.
Politik und Verbrechen. 1964.
Deutschland, Deutschland unter anderm. Äußerungen zur Politik. 1967.
Staatsgefährdende Umtriebe. Rede zur Verleihung des Nürnberger Literaturpreises, 1968.
Palaver. Politische Überlegungen 1967–1973. 1974.
Von der Unaufhaltsamkeit des Kleinbürgertums. Eine soziologische Grille. 1976.
Politische Brosamen. 1982.
Ach Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern. Suhrkamp, 1987.[33]
Ach Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern. Mit einem Epilog aus dem Jahr 2006. Suhrkamp, Frankfurt am Main (= suhrkamp taschenbücher. Band 1690).
Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen. Suhrkamp, 1988, ISBN 3-518-38300-0.
Die Große Wanderung. 1992.
Aussichten auf den Bürgerkrieg. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-40769-4.
Zickzack. Aufsätze, 1997.
Drawbridge Up: Mathematics – A Cultural Anathema / Zugbrücke außer Betrieb: Die Mathematik im Jenseits der Kultur. (dt., engl.) Natick, Mass., Peters, 1999.
Einladung zu einem Poesie-Automaten. Suhrkamp, 2000.
Nomaden im Regal. Essays. 2003
unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr: Lyrik nervt! Erste Hilfe für gestresste Leser. 2004.
unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr: Heraus mit der Sprache. Ein bisschen Deutsch für Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Aus- und Inländer. Hanser, München 2004, ISBN 978-3-446-20448-5; als Taschenbuch: dtv München 2008, ISBN 978-3-423-34471-5.
Schreckens Männer – Versuch über den radikalen Verlierer. Suhrkamp, 2006.
Im Irrgarten der Intelligenz. Ein Idiotenführer. Zürich 2006. (Schriftenreihe der Vontobel-Stiftung. Nr. 1760.) und edition suhrkamp, 2007, ISBN 978-3-518-12532-8.
Fortuna und Kalkül – Zwei mathematische Belustigungen. Suhrkamp, Berlin 2009.
Sanftes Monster Brüssel oder Die Entmündigung Europas. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-06172-5.
Enzensbergers Panoptikum: Zwanzig Zehn-Minuten-Essays. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-06901-1.
Überlebenskünstler. 99 literarische Vignetten aus dem 20. Jahrhundert. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-42788-0.
unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr: Schreiben für ewige Anfänger. Ein kurzer Lehrgang. Hanser, München 2018, ISBN 978-3-446-25998-0.
Eine Experten-Revue in 89 Nummern, Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-42855-9.[34]

Prosa
Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod. Roman, Suhrkamp, 1972; Suhrkamp-Taschenbuch 395, 1977, ISBN 3-518-36895-8.
Der Weg ins Freie. Fünf Lebensläufe. 1975.
unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras: Heiss & Kalt. Erotische Erzählungen, 1987.
unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras: Fernsteuerung. Bettgeschichten. 1992.
Requiem für eine romantische Frau: Die Geschichte von Auguste Bußmann und Clemens Brentano. Nacherzählung. Insel, 1995.
Josefine und ich – Eine Erzählung. 2006.
unter dem Pseudonym Linda Quilt: Schauderhafte Wunderkinder. 2006.
Hammerstein oder der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte. Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-41960-1.
Herrn Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42387-5.
Tumult. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-42464-3.
Verschwunden! Insel, Berlin 2014, ISBN 978-3-458-19398-2.
Immer das Geld! Suhrkamp, Berlin 2015, ISBN 978-3-518-42489-6.
unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras: Fremde Geheimnisse Cupido Books, Köln 2019, ISBN 978-3-944490-88-5.
unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr: Louisiana Story. Hanser, München 2019, ISBN 978-3-446-26388-8.

Drama
Die Schildkröte. Komödie. 1961 auf der Tagung der Gruppe 47 vorgelesen.
Das Verhör von Habana. 1970.
Diderot und das dunkle Ei. Ein Interview. 1990.
Die Tochter der Luft. 1992.
Voltaires Neffe. Eine Fälschung in Diderots Manier. 1996.

Kinder- und Jugendbücher
mit Gisela Andersch: Zupp. 1958.
Esterhazy. 1993, mit Irene Dische, illustriert von Michael Sowa (Bilderbuch, 2009 verfilmt).
Der Zahlenteufel. Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben. Illustriert von Rotraut Susanne Berner. 1997, ISBN 978-3-446-18900-3.
Wo warst du, Robert? Roman. 1998.
Bibs. Illustriert von Rotraut Susanne Berner. 2009.

Sammelbände
Der Fliegende Robert. Gedichte, Szenen, Essays. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989.
Diderots Schatten. Unterhaltungen, Szenen, Essays. 1994.
Nieder mit Goethe/ Requiem für eine romantische Frau. Verlag der Autoren, 1995.
Dreiunddreißig Gedichte. Reclam 2001.
Die Elixiere der Wissenschaft. Seitenblicke in Poesie und Prosa. 2002.
Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten. 2004.
Natürliche Gedichte. Insel 2004.
Gedichte 1950–2005. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006.
Zu große Fragen: Gespräche und Interviews 2005–1970. 2007.
Liebesgedichte. Insel, Frankfurt am Main 2008.
Scharmützel und Scholien: Über Literatur. Suhrkamp Quarto 2009.
Meine Lieblings-Flops, gefolgt von einem Ideen-Magazin. 2010.
Gedichte 1950–2010. Suhrkamp, Berlin 2010.
Album. Suhrkamp, Berlin 2011.
Versuche über den Unfrieden Suhrkamp, Berlin 2015.
Gedichte 1950–2015. Suhrkamp, Berlin 2015.

Editionen (als Herausgeber, Mitherausgeber und Nachwortverfasser)
Clemens Brentano: Gedichte, Erzählungen, Briefe. (als Hrsg.) 1958.
Die Denunziation des Tourismus. (als Hrsg.) 1959.
Museum der modernen Poesie. (als Hrsg.) Frankfurt am Main 1960.
Allerleirauh. Viele schöne Kinderreime. (als Hrsg.) Suhrkamp Frankfurt/Main 1961, als Suhrkamp Taschenbuch Nr. 19, 1. Auflage 1971, ISBN 3-518-06519-X.
Vorzeichen. Fünf neue deutsche Autoren. (als Hrsg.) Frankfurt am Main 1962.
Georg Büchner, Ludwig Weidig: Der Hessische Landbote. Texte, Briefe, Prozeßakten. (als Hrsg.) 1965.
Bartolomé de las Casas: Kurzgefaßter Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder. (als Hrsg.) 1966.
Bahman Nirumand: Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der freien Welt (Nachwort) Rowohlt 1967.
Freisprüche. Revolutionäre vor Gericht. 1970.
Nelly Sachs: Ausgewählte Gedichte. (Nachwort) Suhrkamp, 1972.
Klassenbuch. Ein Lesebuch zu den Klassenkämpfen in Deutschland. (als Mithrsg.) 1972.
Gespräche mit Marx und Engels. 1973.
Edward Lears Kompletter Nonsens Ins Deutsche geschmuggelt von Hans Magnus Enzensberger, Insel Verlag Frankfurt/M. 1977, ISBN 3-458-05048-5.
Carlo Emilio Gadda: Die Erkenntnis des Schmerzes. (Nachwort) Piper, 1985.
unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr: Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen. Reihe „Die Andere Bibliothek“, Greno 1985.
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, Gerhart Kraaz: Die Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courasche. (Nachwort). C. H. Beck Verlag, 1989.
Karl Markus Michel, Tilman Spengler: Die Seuche. (Hrsg.) Rotbuch Verlag, 1991.
Nie wieder! : Die schlimmsten Reisen der Welt, (Hrsg.) ISBN 978-3-8218-4122-9, 1995.
Die gescheiterte Revolution. Denkwürdigkeiten aus dem 19. Jahrhundert. (als Hrsg.), 1996, Insel, ISBN 978-3-458-32797-4.
Geisterstimmen. (als Übersetzer und Herausgeber), 1999, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-41057-8.
W.G. Sebald, Jan Peter Tripp: Unerzählt: 33 Miniaturen und 33 Radierungen. (Mitautor, schrieb zu dem Band ein Abschiedsgedicht auf Sebald), 2003, Hanser

Film
Buenaventura Durruti – Biographie einer Legende – Ein Film-Roman. (Buch, Regie). Historischer Berater: Abel Paz, Kamera: Carlos Bustamante, Produktion: Westdeutscher Rundfunk WDR, (Red. Martin Wiebel), D 1972, 92 Min., s/w. Veröffentlicht auf der DVD mit Filmen von, mit und über Hans Magnus Enzensberger Ich bin keiner von uns (Filmedition Suhrkamp 2009, ISBN 978-3-518-13511-2).

Hörspiele
Die Bakunin Kassette. Eine Fälschung. Regie: Manfred Marchfelder. WDR/SR, 1977.
Josefine und ich. Regie: Leonhard Koppelmann. hr, 2006.
Album. (Autor und Sprecher; 2 Teile). Regie: Christiane Ohaus. RB/DRKultur, 2011.

Diverses
El Cimarrón, Libretto zum Rezital. Musik (1969/1970): Hans Werner Henze. UA: Berliner Festspiele, 1970.
Ein Philosophenstreit – Über die Erziehung und andere Gegenstände. Friedenauer Presse, Berlin 2004.
Was isst Europa: Eine kulinarische Tour d’horizon. (Ein Beitrag). Brandstätter, 2007.
Die kurzgefasste Verteidigung eines Agnostikers. Reflexion über den Text der Kantate Also hat Gott die Welt geliebt, BWV 68 von Johann Sebastian Bach. (Vorgetragen im Rahmen der Aufführung durch die J. S. Bach-Stiftung, Trogen 25. Mai 2018.) St. Gallen 2018.
Wer zweifelt, bewegt sich freier. Hans Magnus Enzensberger mag nicht an einen einzigen Gott glauben. Wiedergabe in der Neuen Zürcher Zeitung, 1. Juni 2018.
Ingeborg Bachmann und Hans Magnus Enzensberger: „Schreib alles was wahr ist auf“. Der Briefwechsel. Herausgegeben von Hubert Lengauer. Piper und Suhrkamp, München/Berlin 2018, ISBN 978-3-518-42613-5; Rezension von Katharina Teutsch im Deutschlandfunk Buch der Woche vom 9. Dezember 2018
Fallobst Suhrkamp Verlag Berlin 2019.
Aufsätze und Zeitungsartikel (Auswahl)
Ein musikalisches Opfer. Über den Terror dauernder Beschallung und Berieselung. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1997 (online).
Zugbrücke außer Betrieb. Die Mathematik im Jenseits der Kultur. In: FAZ, 29. August 1998.
Ein seltsamer Krieg. Zehn Auffälligkeiten. In: FAZ, 14. April 1999.
Im Irrgarten der Intelligenz. Über den getesteten Verstand und den Unverstand des Testens. In: Neue Zürcher Zeitung, 11. November 2006.

Übersetzungen
Jean de la Varende: Gustave Flaubert in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Verlag, 1958, ISBN 978-3-499-50020-6.
William Carlos Williams: Die Worte, die Worte, die Worte. Übertragung und mit Gedicht Envoi und Nachwort von Hans Magnus Enzensberger. Suhrkamp, 1962, ISBN 978-3-518-01076-1.
César Vallejo: Gedichte. Übersetzung und mit Nachwort von Hans Magnus Enzensberger. Suhrkamp, 1963, ISBN 978-3-518-01110-2.
Franco Fortini: Poesie. Übertragung und mit Einleitung von Hans Magnus Enzensberger. Suhrkamp, 1963.
Pablo Neruda: Poésie impure. Übersetzung und mit Nachwort von Hans Magnus Enzensberger. Hoffmann und Campe, 1968.
Lars Gustafsson: Bakunins Reise. Thorn. Zusammen mit Jürg Mahner. Literarisches Colloquium, 1968.
Molière: Der Menschenfeind. Nachdichtung von Hans Magnus Enzensberger. Insel, 1979, ISBN 978-3-458-32101-9.
György Dalos: Meine Lage in der Lage. Gedichte und Geschichten. Zusammen mit Thomas Brasch. Rotbuch Verlag, 1981, ISBN 978-3-88022-218-2.
Charles Simic: Ein Buch von Göttern und Teufeln: Gedichte. Zusammen mit Rudolf von Bitter. Edition Akzente Hanser, 1993, ISBN 978-3-446-17557-0.
Lars Gustafsson: Ein Vormittag in Schweden: Ausgewählte Gedichte. Zusammen mit Verena Reichel und Hanns Grössel. Hanser, 1998, ISBN 978-3-446-19301-7.
Charles Simic: Grübelei im Rinnstein. Zusammen mit Jan Wagner, Rainer G. Schmidt und Michael Krüger. Hanser, 2000, ISBN 978-3-446-19928-6.
Lars Gustafsson: Auszug aus Xanadu. Gedichte. Zusammen mit Verena Reichel. Hanser, 2003, ISBN 978-3-446-20364-8.
William Shakespeare Übersetzung ins Deutsche Ein Kombinationsspiel mit 13 Übersetzungen von Shakespeare’s Sonett 19 in: Das Wasserzeichen der Poesie … vorgestellt von Andreas Thalmayr, Eichborn Frankfurt am Main 1997, S. 362–375, ISBN 3-8218-4458-2.
William Shakespeare Sonett 18 in: „…lesen, wie krass schön du bist konkret“, EDITION SIGNAThUR Dozwil 2003, S. 142, ISBN 3-908141-28-1.
Federico García Lorca: Bernarda Albas Haus in: Die Stücke. Suhrkamp, 2007, ISBN 978-3-518-41872-7.
Dasselbe auch einzeln: Reclam, 2001, ISBN 978-3-15-008525-7.
Denis Diderot: Gründe, meinem alten Hausrock nachzutrauern. Über die Frauen. Zwei Essays. Aus d. Franz. Friedenauer Presse, Berlin 1991. ISBN 978-3-921592-76-2.
Lars Gustafsson: Jahrhunderte und Minuten. Zusammen mit Verena Reichel und Hanns Grössel. Fischer, 2009, ISBN 978-3-596-18256-5.
Stanley Moss: Gedichte. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23563-2.
Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. dtv, München, 2015, ISBN 978-3-423-21570-1.
Hilaire Belloc: Klein-Kinder-Bewahr-Anstalt. L.S.D. Göttingen 2019, ISBN 978-3-95829-433-2.

Literaturnobelpreis 2022 bekommt die Französin Annie Ernaux.

WERKE laut WIKIPEDIA am 7-10-2022

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  • Les armoires vides. Gallimard, Paris 1974
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  • Ce qu’ils disent ou rien. Gallimard, 1977
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  • La femme gelée. Roman. Gallimard, 1981
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  • La place. Gallimard, 1983
    • Übers. Barbara Scriba-Sethe: Das bessere Leben. Erzählung. Fischer TB, Frankfurt 1988, ISBN 978-3-596-29249-3, wieder in: Moderne französische Prosa. Ernaux, Danièle Sallenave, Mireille Best, François Bon. Verlag Volk und Welt, Berlin 1988, ISBN 3-353-00350-9, S. 5–62. Mit Bio-bibliographischen Notizen. Weitere Texte: Ehegespräche, von Sallenave; Psalm für Frédérique, von Best; Limit von Bon; Übers. dieser Texte Eva Schewe, Gotthardt Schön, Christiane Baumann mit Gisela Lerch.
    • Neuübersetzung Sonja Finck: Der Platz. Suhrkamp, Berlin 2019 ISBN 978-3518-22509-7.
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  • Une Femme. Gallimard, Paris 1987
    • Übers. Regina Maria Hartig: Das Leben einer Frau. Fischer TB, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11644-9.
    • auch als: Gesichter einer Frau. Gleiche Übersetzerin. Goldmann, München 2007, ISBN 978-3-442-45363-4.
    • Neuübersetzung Sonja Finck: Eine Frau. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-22512-7.
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  • Passion simple. Gallimard, Paris 1991
    • Übers. Regina Maria Hartig: Eine vollkommene Leidenschaft. Die Geschichte einer erotischen Faszination. Goldmann, München 2004, ISBN 3-442-45364-X.
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  • Journal du Dehors. Gallimard, 1993
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  • La honte. Gallimard, 1997
    • Übers. Sonja Finck: Die Scham. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-22517-2.
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  • Je ne suis pas sortie de ma nuit. Gallimard, 1997
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  • L‘ événement. Gallimard, Paris 2000
    • Übers. Sonja Finck: Das Ereignis. Suhrkamp, Berlin 2021, ISBN 978-3-518-22525-7.
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  • Se perdre. Gallimard, 2001
    • Übers. Gaby Wurster: Sich verlieren. Goldmann, München 2003, ISBN 978-3-442-31003-6.
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  • L’Occupation. Gallimard, 2002
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  • mit Marc Marie: L’Usage de la photo, textes d’après photographies, Gallimard, 2005
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  • Les années. Gallimard, 2008
    • Übers. Sonja Finck: Die Jahre.[43] Suhrkamp, Berlin 2017, ISBN 978-3-518-22502-8.
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  • L‘ écriture comme un couteau. Stock, Paris 2011
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  • Retour à Yvetot. Mauconduit, Paris 2013
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  • Regarde les lumières, mon amour. Reihe: Raconter la vie. Seuil, Paris 2014
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  • Mémoire de fille. Gallimard, Paris, 2016 ISBN 978-2-07-014597-3.
    • Übers. Sonja Finck: Erinnerung eines Mädchens. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 3-518-42792-X.
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  • Le jeune homme. Gallimard, Paris 2022, ISBN 978-2-07-298008-4.

Deutscher Buchpreis 2022: Sechs im Finale

QUELLE: http://www.deutscher-buchpreis.de
Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale

Die Jury hat diese sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 ausgewählt:


• Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)

• Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)

• Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022)

• Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)

• Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022)

• Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)

HOTLIST 2022, die letzten 10 Titel

QUELLE: hotlist-online.com

Arco Verlag
Artem Tschech
NULLPUNKT
ISBN 978-3-96587-044-4

Ariella Verlag
Yuriy Gurzhy
RICHARD WAGNER
UND DIE KLEZMERBAND.
Reportage / Oral-History
ISBN 978-3-945530-38-2

AvivA Verlag
Aphra Behn
WERKE IN ZWEI BÄNDEN
ISBN 978-3-949302-01-5

cass verlag
Atsuhiro Yoshida
GUTE NACHT, TOKIO
Roman
ISBN 978-3-944751-28-3

Das Kulturelle Gedächtnis
Henriette Valet
MADAME 60a
Roman
ISBN 978-3-946990-62-8

ebersbach & simon
Wallace Thurman
THE BLACKER THE BERRY
Roman
ISBN 978-3-86915-246-2

Elif Verlag
Wolfgang Schiffer
DASS DIE ERDE
EINEN BUCKEL WERFE
Gedichte
ISBN 978-3-946989-43-1

Guggolz Verlag
Viktor Schklowski
ZOO. BRIEFE NICHT ÜBER LIEBE,
ODER DIE DRITTE HELOISE
Briefroman
ISBN 978-3-945370-34-6

Rotpunktverlag
Alice Grünfelder
WOLKEN ÜBER TAIWAN.
NOTIZEN AUS EINEM
BEDROHTEN LAND
ISBN 978-3-85869-943-5

Voland & Quist
Noemi Somalvico
IST HIER DAS JENSEITS,
FRAGT SCHWEIN
Roman
ISBN 978-3-86391-321-2

Deutscher Buchpreis 2022: Die 20 nominierten Romane = LONGLIST

Deutscher Buchpreis 2022: Die 20 nominierten Romane
QUELLE: deutscher-buchpreis.de


20 Romane hat die Jury für den Deutschen Buchpreis 2022 nominiert.

Seit Ausschreibungsbeginn hat sie 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.


Jurysprecherin Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur:
„In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur rumoren die großen Fragen
unserer Zeit: nach Herkunft und Identität, nach Formen und Zukunft unseres
Zusammenlebens. Sie können sich in der deutschen oder österreichischen Provinz ebenso entfalten wie in Kabul oder Pjöngjang, in einer herannahenden Dystopie oder der real-historischen Ostberliner Vorwendezeit. Aus über 200 Titeln und so vielen Einreichungen wie noch nie haben wir epische Erzählungen ausgesucht, poetische Sprachschöpfungskaskaden sowie formale Experimente, die klassische und realistische Formen des Romans aufbrechen. Die Auswahl auf unserer Longlist folgt dabei verschiedenen Kriterien, so wie auch in der Jury Perspektiven aus Literaturvermittlung und -kritik zusammenfinden. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022 sind etablierte Autor*innen ebenso wie eine Vielzahl noch weniger bekannter und jüngerer Stimmen. Und wenn wir die so
verschiedenen Romane damit einem neugierigen Lesepublikum näherbringen
können, freuen wir uns umso mehr.“


Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):


• Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)
• Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)
• Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch,
August 2022)
• Carl-Christian Elze: Freudenberg (edition AZUR, Februar 2022)
• Theresia Enzensberger: Auf See (Carl Hanser, August 2022)
• Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)
• Marie Gamillscheg: Aufruhr der Meerestiere (Luchterhand, März 2022)
• Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022) • Yael Inokai: Ein simpler Eingriff (Hanser Berlin, Februar 2022)
• Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer (S. Fischer, März 2022)
• Anna Kim: Geschichte eines Kindes (Suhrkamp, August 2022)
• Esther Kinsky: Rombo (Suhrkamp, Februar 2022)
• Dagmar Leupold: Dagegen die Elefanten! (Jung und Jung, Februar 2022)
• Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)
• Gabriele Riedle: In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. (Die Andere
Bibliothek, März 2022)
• Slata Roschal: 153 Formen des Nichtseins (homunculus, Februar 2022)
• Anna Yeliz Schentke: Kangal (S. Fischer, März 2022)
• Jochen Schmidt: Phlox (C.H.Beck, September 2022)
• Andreas Stichmann: Eine Liebe in Pjöngjang (Rowohlt, März 2022)
• Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf (Rowohlt, Juni 2022)

Der Jury gehören neben Miriam Zeh an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes
Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels
(Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine
Zeitung).

Im nächsten Schritt wählen die Jurymitglieder aus den Titeln der Longlist sechs
Romane für die Shortlist aus, die am 20. September 2022 veröffentlicht wird.

Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autor*innen, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro.

Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter
Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen. Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weiterer Partner ist die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland

Büchner-Preis 2022 geht an Emine Sevgi Özdamar

QUELLE: buechnerpreis.de

>>>9. August 2022

Emine Sevgi Özdamar erhält den Georg-Büchner-Preis 2022

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2022 an die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 5. November 2022 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Mit Emine Sevgi Özdamar zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt. Einst aus der Türkei ins geteilte Berlin gekommen, bereichert Özdamar seit über drei Jahrzehnten die deutschsprachige Literaturszene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, zuletzt mit dem Opus magnum ‚Ein von Schatten begrenzter Raum‘. Ungewohnte literarische Stilmittel und aus dem Türkischen inspirierte Sprechweisen prägen ihre multiperspektivischen Texte, die neben intimen persönlichen Erfahrungen ein breites Panorama deutsch-türkischer Geschichte entfalten − vom Ersten Weltkrieg über die Aufbruchstimmung der sechziger und siebziger Jahre bis in unsere Gegenwart. Emine Sevgi Özdamars Werk eröffnet einen zugleich intellektuellen wie poetischen Dialog zwischen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen, an dem wir lesend teilhaben dürfen.«

Emine Sevgi Özdamar, geboren am 10. August 1946 in Malatya/Türkei, ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin. Aufgewachsen in Istanbul und Bursa hatte sie schon früh Kontakt zum Theater, das später eine zentrale Rolle in ihrem Leben einnimmt. 1965 kam sie erstmals nach West-Berlin. Zurück in Istanbul nahm sie von 1967 bis 1970 Schauspielunterricht und erhielt erste professionelle Rollen in Stücken von Bertolt Brecht und Peter Weiss. Nach dem Militärputsch in der Türkei 1971 mit Massenverhaftungen und Zensur ging Özdamar 1975 erneut nach Berlin und wurde Assistentin des Brecht-Schülers Benno Besson und des Regisseurs Matthias Langhoff an der Ost-Berliner Volksbühne. Ihre Arbeit führte sie weiter nach Paris und Avignon, dann von 1979 bis 1984 ans Bochumer Schauspielhaus unter der Intendanz von Claus Peymann. In diese Zeit fällt auch der Beginn ihres Schreibens mit dem 1982 erschienenen Theaterstück »Karagöz in Alemania«. Romane, Erzählungen und weitere Theaterstücke folgten.
1991 gelang ihr mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis der literarische Durchbruch. Der ausgezeichnete Text war ein Auszug aus ihrem von der Kritik als bahnbrechendes, literarisches Ereignis gefeierten Romanerstling »Das Leben ist eine Karawanserei – hat zwei Türen – aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus«, der 1992 erschien. 1998 folgte ihr zweiter Roman »Die Brücke vom Goldenen Horn« und schließlich 2003 der Abschluss der Trilogie »Seltsame Sterne starren zur Erde. Wedding – Pankow 1976/77«. Drei große autobiografisch grundierte Romane, für die sie vielfach ausgezeichnet wurde, darunter mit dem Walter-Hasenclever-Preis 1993, Adelbert-von-Chamisso-Preis 1999 und 2004 mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis. Die Romane spielen in Istanbul und im geteilten Berlin. Sie erzählen über die Kultur und Gesellschaft der siebziger Jahre, über politischen Aufbruch wie über politische Repression und über die Freiheit des Theaters.
Im vergangenen Jahr erweckte Özdamar erneut die Aufmerksamkeit der deutschsprachigen literarischen Öffentlichkeit mit ihrem sprachgewaltigen, fast 800 Seiten umfassenden Roman »Ein von Schatten begrenzter Raum«. Dafür erhielt sie den Bayerischen Buchpreis 2021, den Düsseldorfer Literaturpreis 2022 und den Schillerpreis 2022. Zudem stand das Buch auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022.
Emine Sevgi Özdamar ist seit 2007 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und seit 2014 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Sie lebt in Deutschland, der Türkei und Frankreich.

Veröffentlichungen (Auswahl)
•Karagöz in Alemania. Theaterstück. Verlag der Autoren 1982 (UA 1986 Frankfurt)
•Mutterzunge. Erzählungen. Rotbuch-Verlag 1990
•Keloglan in Alemania, die Versöhnung von Schwein und Lamm. Theaterstück. Verlag der Autoren 1992 (UA 2000 Oldenburg)
•Das Leben ist eine Karawanserei − hat zwei Türen − aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus. Roman. Kiepenheuer & Witsch 1992
•Die Brücke vom Goldenen Horn. Roman. Verlag Kiepenheuer & Witsch 1998
•Der Hof im Spiegel. Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch 1998
•Noahi. Theaterstück. Verlag der Autoren 2001 (UA 2003 Frankfurt)
•Seltsame Sterne starren zur Erde. Roman. Kiepenheuer & Witsch 2003
•Sonne auf halbem Weg. Die Istanbul-Berlin-Trilogie. Kiepenheuer & Witsch 2006
•Perikizi. Ein Traumspiel. Theaterstück, aufgeführt 2010 im Rahmen der Ruhrfestspiele.
In: Theater Theater. Odyssee Europa. Aktuelle Stücke 20/10. Fischer Taschenbuch Verlag, 2010
•Ein von Schatten begrenzter Raum. Roman. Suhrkamp 2021

Auszeichnungen (Auswahl)
1991 Ingeborg-Bachmann-Preis
1993 Walter-Hasenclever-Literaturpreis
1999 Adelbert-von-Chamisso-Preis
1999 Preis der LiteraTour Nord
2001 Künstlerinnen-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen
2003 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim
2004 Heinrich-von-Kleist-Preis
2009 Fontane-Preis, Akademie der Künste, Berlin
2010 Carl-Zuckmayer-Medaille
2012 Alice Salomon Poetik Preis
2021 Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim
2021 Bayerischer Buchpreis (Belletristik)
2022 Düsseldorfer Literaturpreis
2022 Schillerpreis der Stadt Mannheim
2022 Shortlist / Preis der Leipziger Buchmesse (Belletristik)

Der Georg-Büchner-Preis:
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht seit 1951 den Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Mehr unter http://www.buechnerpreis.de

Er wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt.<<<

Eifel-Krimi-Schöpfer Jaques Berndorf am 3.7.2022 verstorben

Jacques Berndorf, (geboren am 22. Oktober 1936 in Duisburg, gestorben am 3. Juli 2022 in Dreis-Brück in der Vulkaneifel)

VERÖFFENTLICHUNGSLISTE LAUT WIKIPEDIA am 6-7-2022:

Eifel-Krimis um Siggi Baumeister

  1. Eifel-Blues. Dortmund 1989, ISBN 3-89425-442-4.
  2. Requiem für einen Henker. Bergisch Gladbach 1990; Neuauflage Hillesheim 2006, ISBN 3-937001-72-7.
  3. Der General und das Mädchen. Bergisch Gladbach 1990 – Vorlage für das spätere „Eifel-Feuer“, ISBN 3-404-13286-6.
  4. Der letzte Agent. Bergisch Gladbach 1993; Neuauflage Hillesheim 2005, ISBN 3-937001-51-4.
  5. Eine Reise nach Genf. München 1993, ISBN 3-442-45325-9.
  6. Eifel-Gold. Dortmund 1993, ISBN 3-89425-035-6.
  7. Eifel-Filz. Dortmund 1995, ISBN 3-89425-048-8.
  8. Eifel-Schnee. Dortmund 1995, ISBN 3-89425-062-3.
  9. Eifel-Feuer. Dortmund 1996, ISBN 3-89425-069-0.
  10. Eifel-Rallye. Dortmund 1997, ISBN 3-89425-201-4.
  11. Eifel-Jagd. Dortmund 1998, ISBN 3-89425-217-0.
  12. Der Bär. Eine Firmenchronik zum 111-jährigen Bestehen des Gerolsteiner Brunnens. Gerolstein 1999, ISBN 3-00-005389-1; Neuauflage Hillesheim 2007, ISBN 978-3-940077-02-8.
  13. Eifel-Sturm. Dortmund 1999, ISBN 3-89425-227-8.
  14. Eifel-Müll. Dortmund 2000, ISBN 3-89425-245-6.
  15. Eifel-Wasser. Dortmund 2001, ISBN 3-89425-261-8.
  16. Eifel-Liebe. Dortmund 2002, ISBN 3-89425-270-7.
  17. Eifel-Träume. Dortmund 2004, ISBN 3-89425-295-2.
  18. Eifel-Kreuz. Dortmund 2006, ISBN 3-89425-650-8.
  19. Mond über der Eifel. Hillesheim 2008, ISBN 978-3-940077-22-6.
  20. Die Nürburg-Papiere. Hillesheim 2010, ISBN 978-3-940077-78-3.
  21. Die Eifel-Connection. Hillesheim 2011, ISBN 978-3-942446-13-6.
  22. Eifel-Bullen. Hillesheim 2012, ISBN 978-3-942446-61-7.
  23. Eifel-Krieg. Hillesheim 2013, ISBN 978-3-942446-97-6.

BND-Romane um Karl Müller

  1. Ein guter Mann (2005), ISBN 978-3-453-00629-4 und ISBN 978-3-453-43225-3 (Taschenbuch).
  2. Bruderdienst (2007), ISBN 978-3-453-00630-0.
  3. Der Meisterschüler, mit Illustrationen von Kat Menschik. (2009) Heyne Verlag, München, ISBN 978-3-453-26643-8.
  4. Die Grenzgängerin (2012) Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-26672-8.
  5. Lockvogel (2015) Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-26673-5.

Andere Werke

  • Magnetfeld des Bösen (1970).
  • Der Reporter (1971); Neuerscheinung 2020, ISBN 978-3-95441-536-6.
  • Der Monat vor dem Mord (1972) – Als Fortsetzungsroman im Stern; 2009 als Buch, ISBN 978-3-940077-52-3.
  • Der Verführer mit dem goldenen Herzen (1973), ISBN 3-404-00174-5.
  • Mord-Schmitt (1975), (1982), ISBN 3-7716-1372-8.
  • Elvis Presley – The King – mit Beate Guldner (1977), ISBN 3-442-03597-X.
  • Vera Brühne – Ein Justizirrtum? (1982), ISBN 3-442-03891-X.
  • Aberglauben GmbH (1984), ISBN 3-473-50002-X.
  • Vom Bunker der Bundesregierung (1984), ISBN 3-924366-00-4; Neuerscheinung als „Der Bunker“, ISBN 978-3-95441-413-0.
  • Der Bunker. Eine Reise in die Bonner Unterwelt (1989), ISBN 3-7609-1281-8.
  • Drogenmarkt Schule. Drogen – Dealer – Konsumenten (1991), ISBN 3-570-06443-3 und ISBN 3-442-12437-9.
  • Der Mord, den Charlotte beging (1993) – Das Werk ist nie in Buchform erschienen, der Stoff wurde durch Maria Franziska Schüller zu dem Schauspiel „Eifel-Frieden“ bearbeitet und im Dezember 2006 am Stadttheater Trier aufgeführt.
  • Wenn Du alt wirst in Deutschland … (1994), ISBN 3-492-03677-5.
  • Rechts um zum Abitur (1995), ISBN 3-86153-074-0.
  • Der Kurier (1996), ISBN 3-550-06763-1.
  • Wie alles begann, Baumeister und die Frauen, Ertwas über Katzen, Auto(r)biographie in Jacques Berndorf – Eifel-Täter, siehe unter Literatur.
  • Otto Krause hat den Blues, Hörbuch/CD (2003) mit Christian Willisohn, ISBN 3-89425-497-1.
  • Die Raffkes (2003), ISBN 3-89425-283-9.
  • Mords-Eifel (2004), Kurzkrimis aus der Eifel, herausgegeben von Jacques Berndorf, ISBN 3-937001-14-X.
  • Tatort Eifel (KBV 2007), Kurzkrimis aus der Eifel, herausgegeben von Jacques Berndorf, ISBN 978-3-940077-16-5.
  • Gebrauchsanweisung für die Eifel (2008), Piper, ISBN 978-3-492-27543-9.
  • Tatort Eifel 2 (KBV 2009), Kurzkrimis aus der Eifel, herausgegeben von Jacques Berndorf, ISBN 978-3-940077-62-2.
  • Der Kurier (2009), Grafit-Verlag, ISBN 978-3-89425-356-1.
  • Samiras Blues, Hörbuch/CD (2009) mit Christian Willisohn, ISBN 978-3-940077-59-2.
  • Himmel über der Vulkaneifel (2010) mit Sven Nieder und Karl Johaentges, Eifelbildverlag, ISBN 978-3-9814113-0-0.
  • Nuttenbunker, Hörbuch/CD (2012) mit Christian Willisohn, ISBN 978-3-942446-40-2.
  • Der König der Eifel (KBV 2014), Kriminalgeschichten mit und ohne Siggi Baumeister, ISBN 978-3-95441-198-6.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 an Serhij Zhadan

BEGRÜNDUNG DER JURY

>>Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2022 Serhij Zhadan. Wir ehren den ukrainischen Schriftsteller und Musiker für sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft.

In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führt uns Serhij Zhadan in eine Welt, die große Umbrüche erfahren hat und zugleich von der Tradition lebt. Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern. Dabei findet der Schriftsteller eine eigene Sprache, die uns eindringlich und differenziert vor Augen führt, was viele lange nicht sehen wollten.

Nachdenklich und zuhörend, in poetischem und radikalem Ton erkundet Serhij Zhadan, wie die Menschen in der Ukraine trotz aller Gewalt versuchen, ein unabhängiges, von Frieden und Freiheit bestimmtes Leben zu führen.<<

QUELLE: friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de

>>Serhij Zhadan, geboren am 23. August 1974 in Starobilsk im Gebiet Luhansk der (damaligen Sowjetrepublik) Ukraine, ist Schriftsteller, Übersetzer und Musiker. Er zählt zu den wichtigsten, innovativsten und bekanntesten Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur. Sein vielgestaltiges literarisches Werk setzt sich aus Romanen, Gedichten, Erzählungen, Reportagen und Essays zusammen und widmet sich insbesondere der Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion sowie dem seit 2014 in der Ukraine herrschenden Krieg. Schauplätze seiner Texte sind in erster Linie die Stadt Charkiw und die Ostukraine, für die er sich auch sozial und kulturell engagiert und angesichts des aktuellen Kriegs humanitäre Hilfe leistet. Obwohl in einer überwiegend russischsprachigen Gegend aufgewachsen, schreibt Zhadan auf Ukrainisch. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und haben internationale Preise erhalten. Am 23. Oktober 2022 erhält der Schriftsteller den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

In Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, studiert Zhadan Literaturwissenschaft, Ukrainistik sowie Germanistik und promoviert 1996 mit einer Arbeit zum ukrainischen Futurismus. Er lehrt zunächst als Dozent an der Universität und beginnt dann als freischaffender Schriftsteller zu arbeiten. Schon Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht er erste Gedichte, organisiert Literatur- und Musikfestivals und prägt die junge Kulturszene der Stadt. In seinen frühen literarischen Werken, wie in dem Romandebüt »Depeche Mode« (2007, Orig. 2004), setzt er sich mit der postsowjetischen Umbruchszeit auseinander und beschreibt den Versuch der Menschen, sich neu zu verorten. Sein dritter Roman »Die Erfindung des Jazz im Donbass« (2012, Org. 2010), eine Art Road-Novel, spielt im Industrierevier Donbass, das mit surrealen Elementen und einer anarchischen Erzählweise poetisch aufgeladen wird. Vor dem Hintergrund dieser fantastischen Landschaft begibt sich der Protagonist auf die Suche nach Heimat in einer zunehmend entgrenzten Welt. Die BBC wählt den Text 2014 zum »Buch des Jahrzehnts«.

In seinem 2015 auf Deutsch erschienene Roman »Mesopotamien« (Orig. 2014) porträtiert Zhadan in einer Melange aus Prosa und Lyrik seine Heimatstadt Charkiw, die im Buch als modernes Babylon erscheint. Zwei Flüsse trennen das ‚Zweistromland‘ in Ober- und Unterstadt. Während Krieg und Gewalt schwelen, kämpfen die hier lebenden Menschen um die eigene Existenz, sie werden getrieben von ihrer Sehnsucht nach Liebe, die sie der Hoffnungslosigkeit und dem Tod entgegensetzen.

Zhadans jüngster Roman »Internat« (2018, Orig. 2017), dessen Übersetzung mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, erzählt vom Krieg im Donbass. Hauptfigur ist ein Lehrer, der durch das Kriegsgebiet im Donezbecken reisen muss, um seinen Neffen aus dem Internat abzuholen. Sein Weg führt durch ein apokalyptisches Szenario. Im dichten Nebel gerät er immer wieder zwischen die Frontlinien und wird mit der Frage konfrontiert, ob man im Krieg neutral bleiben kann.

In seinen Gedichten und Erzählungen – beginnend mit dem Lyrikband »Die Geschichte der Kultur zu Anfang des Jahrhunderts« (2006, Orig. 2003) über »Hymne der demokratischen Jugend. Erzählungen« (2009, Orig. 2006) bis hin zu den empfindsamen Gedichten in »Antenne« (2020, Orig. 2018) – beweist Serhij Zhadan eine Vielstimmigkeit, die auch von seiner Nähe zur Musik geprägt ist. Punk und Poesie treffen aufeinander. Im Zentrum aber stehen immer die Menschen, vor allem die sogenannten Underdogs, die Unscheinbaren in ihrer Unterschiedlichkeit und Individualität. Sein konkreter, expressiver Ausdruck wird von der Kritik dabei genauso gelobt wie der zuweilen ironische Ton oder die dokumentarische Genauigkeit, die in seinen Texten zu finden sind.

*

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit übersetzt Zhadan auch Lyrik aus dem Deutschen, Englischen, Belarussischen sowie aus dem Russischen. So überträgt er unter anderem die Gedichte Paul Celans und Charles Bukowskis ins Ukrainische. Darüber hinaus verfasst Zhadan Songtexte für verschiedene Rockbands, unter anderem für die Band »Sobaki v kosmosi« (»Hunde im Weltraum«), mit der er seit 2007 als Sänger Musik macht. Nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim 2014 und der Besetzung des Donbass reist er mit der Band durch das ukrainische Kriegsgebiet und spielt Konzerte für die Soldaten. Hatte er sich 2004 als Aktivist an der Orangenen Revolution beteiligt und 2013 die landesweiten Maidan-Proteste sowie die pro-europäische Bewegung unterstützt, so begleitet er seit Ausbruch des Kriegs 2014 humanitäre Hilfsgütertransporte in die Ostukraine. Er initiiert außerdem ein Projekt, das Bibliotheken in den Regionen Donezk und Luhansk mit Büchern versorgt und gründet 2017 eine Stiftung (Serhiy Zhadan Charitable Foundation), um Bildungs- und Kulturinitiativen in diesem Landesteil zu fördern.

Auch im Jahr 2022, nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, setzt Zhadan sein kulturelles Engagement und seine humanitäre Hilfe fort: Er lebt weiterhin in Charkiw, spielt Konzerte in Metrostationen, holt Menschen aus stark umkämpften Vierteln heraus, liest Gedichte und verteilt Hilfsgüter in der Stadt. Seine in mehrere Sprachen übersetzten Artikel über die Situation in der Ukraine sind aktuelle Zeitdokumente darüber, wie die dort lebenden Menschen im Angesicht von Gewalt und Bedrohung versuchen, ihren Alltag zu organisieren.<<

Das wütende Buch „Schule aus“, romanartiger Bericht von Claus Küsters

Es gibt massig Bücher aus und über die Schule. Wenn Lehrer dann in der Rente davon berichten, indem sie Bücher schreiben, wird es meist eine lange Klage an allem und diesem, oft mit überlangen Detailberichten von jener Konferenz oder diesem Brief an ein Ministerium. Aber Literatur? Lesenswerte Literatur? Meist nein.

Bei Claus Küsters aber ist es ganz, ganz anders. Dieser Mann war zwar Lehrer, ja, aber er hat immer schon geschrieben. Eigentlich war er Schriftsteller und Lehrer, und vom Lehrersein kam das Geld. – Seine Veröffentlichungsliste ist lang.

Claus Küsters hat nun in hohem Alter auch ein Buch über „die Schule“ und über „das Leben“ geschrieben. Das ist ungewöhnlich. Da wird das ganze Leben auf den Prüfstand gestellt, da wird beobachtet, abgerechnet, bilanziert.

Das alles passiert in einer hochmodernen Sprache. Das ist Literatur, echte, verdichtete, ja, auch gute Literatur. Dabei wird uns gezeigt, wie sich die Hauptfigur des Buches, J. oder Jo oder Johann oder Johannes, mehr und mehr von allem distanziert. Sicher, er hat soziale Kontakte, sicher, er ist eingebunden, aber zugleich steht er in höchster Distanz zur Welt. Zu Menschen, die ihm begegnen. Zur Schule sowieso. (Er ist Lehrer für Sport und Englisch an einem Gymnasium.) Und er schaut ernüchtert auf die zentralen Charaktereigenschaften der Menschen.

Außerdem ärgern und langweilen ihn die vielen blassen Gestalten, die er als Vorgesetzte, als Kolleginnen und Kollegen, und eben auch als Schüler erleben muss. Auffällige Gestalten, ja, auch ins Kriminelle abdriftende Personen, erwecken hingegen sein Interesse. Der Lehrer Johannes, der auch die Theatergruppe der Schule leitet, ist immer auch sehr interessiert, wenn es um „die Ränder“ des Lebens geht. Der (banale) Alltag langweilt ihn eher, das Ungewöhnliche zieht ihn an.

Ihn interessieren also auch noch Obdachlose, ja, er lässt sich mit ihnen ein, dieser Johannes. Stutzer, Reiche, Aufschneider, auch solche Menschen schaut er sich aus der Nähe an. Er geht dann auch mal zu einer Protz-Party. Dazu hat er diverse Lieben oder auch Nicht-Lieben mit Frauen, dieser Johann. Aber dauerhafte Bindungen werden es aus diversen Gründen dann nicht. (Maria, Carmen, Barbara, die Namen sind schon so „sprechend“.)

Das Ganze aber kulminiert dann doch in einem Abschied von „der Schule“, weil die Hauptperson des „romanartigen Berichtes“ vorzeitig das Schulwesen verlassen wird. Es geht für Johann in die Frühpensionierung. Und man versteht, warum dieser eine konkrete Mensch, mit seiner Klugheit, seiner Belesenheit, aber eben auch seiner Rebellion … nicht in der (also dieser Art von) Schule bleiben konnte.

Also ein ganz anderes Buch, als es Tausende von anderen Lehrer und Lehrerinnen schreiben würden und schon geschrieben haben. Küsters schrieb ein verdammt kluges und zugleich sprachlich sehr modernes Buch.

Claus Küsters

Schule aus

Romanartiger Bericht